WMDEDGT Dezember 2017

Wie jeden Monat fragt Frau Brüllen, was wir eigentlich den ganzen Tag so machen.

Zum ersten Mal auf den Wecker schaue ich um fünf Uhr und stöhne innerlich. Das hatten wir zuletzt öfter, dass das Baby um diese unchristliche Uhrzeit knallwach war. Doch sie lässt sich wieder in den Schlaf stillen. Um viertel nach sechs klingelt des Mannes Wecker. Um halb sieben ruft das große Kind energisch nach dem Papa. Der geht hin. Zwei Minuten später singt sie lautstark „Single Bells“ im Flur. Da wird auch das Baby wach. Nacht vorbei. Immerhin habe ich heute Morgen keine Rückenschmerzen. Mir ist es zu eng mit dem Baby in meinem Bett, aber sobald ich sie von meiner Matratze entferne und 20 Zentimeter weiter in ihr Bett lege, wird sie unweigerlich wach. Spätestens nach ein paar Minuten. Nun gut.

Der Mann kümmert sich ums große Kind, erklärt ihr aber, dass er erstmal duschen müsste, bevor sie runtergehen könnten.
Das veranlasst sie zu der Aussage: „Dann gehe ich eben runter, nehme mir die Fünf und setze mich aufs Sofa, ganz einfach!“
Klar, unten steht der Adventskalender. Sie kommt dann aber erst doch kurz ins Schlafzimmer, um ihre Schwester zu begrüßen. Dann geht sie wieder raus, macht das Licht an und geht runter. Ich höre sie am Adventskalender kramen und bin gespannt, ob sie die Schokolade wohl sofort essen wird.

Ich stehe auch auf, wickle das Baby und ziehe sie an. Dann lege ich sie unters Mobile und mache mich selbst fertig.

Unten sitzen der Mann und das große Kind am FRühstückstisch. In der Fünf waren ein kleiner Dekoengel und einer aus Schokolade. Der Adventskalender kommt von meiner Schwiegermutter und die Figürchen sind niedlich, aber sinnlos. Ich stelle sie als Deko auf den Kaminsims. Ein paar Minuten später wird dann auch der Schokoengel seinem ursprünglichen Zweck zugeführt.

Ich mache mir Frühstück. Besonders hungrig bin ich nicht. Am Wochenende hatte ich mir den Magen verdorben, das hat meinen Appetit etwas zurechtgestutzt.

Gegen halb acht verabschiedet sich der Mann. Er hat heute Weihnachtsfeier und wird erst spät nach Hause kommen. Das wird ein langer Tag für mich.

Das Baby spielt unterm Spielebogen und kullert ein bisschen vor sich hin.

Ich schaffe mein Frühstück nicht vollständig. Ich räume ab, packe das Baby in die Wippe und gehe mit ihr in den Keller. Eine Ladung Wäsche muss in die Maschine und die Ladung vom Vortag abgehängt und gefaltet werden. Das große Kind kommt mit und befragt mich zu des Mannes Hemden, die an der Leine hängen. Ich stelle die Maschine an und falte nur ein paar Kleidungsstücke. Der Rest reicht auch später noch. Dann gehen wir wieder hoch. Das Kind macht ein Puzzle, ich stille das Baby.

Es ist Dienstag, Ausflugstag der Kitagruppe. Da braucht das Kind ausnahmsweise einen Rucksack mit Brotdose und Wasserflasche. Ich gehe in die Küche, um das Brot zu schmieren. Das große Kind schleppt ihren Rucksack hinterher.

So, alles fertig. Fünf vor halb neun, Zeit zum Zähneputzen. Außerdem andere Klamotten obenrum (der Mann hat das Kind für den tiefsten Winter angezogen) und überhaupt ne Hose anziehen. Und Haare machen. Ich bereite das Kind drauf vor, dass sie heute einen Friseurtermin hat. Sie ist skeptisch. Ich hantiere mit Haarspangen und Haarbürsten und denke mal wieder drüber nach, dass ein Junge echt praktisch gewesen wäre. Haare auf 12 mm runterrasieren, fertig. (Disclaimer: Ich würde meine beiden Mädels niemals wieder hergeben und das mit dem Jungen ist lediglich in meinem Kopf, nicht in meinen Handlungen oder sonst irgendwo. Und ja, genderneutrale Erziehung blabla, bei den Haaren bin ich konservativ. Solange ich mich um die Haare kümmern muss, bestimme ich die Frisur.)

Endlich ist das Kind vollständig angezogen und frisiert. Wir gehen runter, ich ermahne sie mehrfach, sich jetzt bitte doch mal die Schuhe anzuziehen, stopfe das Baby in ihre Jacke und lege sie in den Kinderwagen. Sie ist müde (man kann die Uhr nach ihr stellen) und schreit. Kind fertig anziehen, selber Schuhe und Jacke anziehen, rausgehen. Beim Abschließen merken, dass ich meinen Schal vergessen habe. Wieder reingehen. Das Kind sieht meinen Schal und möchte auch einen. Vor zwei Minuten wollte sie noch keinen. Nochmal reingehen. Kinderschal holen. Abschließen.

12 Minuten vor neun: Abmarsch. Das große Kind ausnahmsweise auf dem Buggyboard. Das Baby schreit weiterhin. Ich streichle sie hin und wieder und gebe ihr einen Schnuller, kann aber sonst nur abwarten. Kurz vor der Kita schläft sie ein.
Es nieselt übrigens. Acht Grad sollen es heute werden. Vor einem Jahr hatten wir Minusgrade und wunderbaren Frost.

Ich stelle den Kinderwagen in den Flur und gehe mit dem Kind in die Garderobe. Schnell ausziehen, Schläppchen an, ab in die Gruppe. Da ist es dunkel. Blöd. Wir gehen nochmal in den Flur gucken. Es sind auf jeden Fall schon Kinder aus der Gruppe da, aber wo sind die Erzieher. Nochmal in den Gruppenraum. Da ist jetzt Licht, aber statt der Erzieher sind da die Kitaleiterin und der Hausmeister. Die Erzieherin sei beim Frühstück, sagt sie mir. Das Kind findet das alles überhaupt nicht gut und klebt an mir. Die Leiterin nimmt uns mit zum Essraum, wo die Erzieherin auch tatsächlich sitzt. Das Kind möchte aber nicht frühstücken und klebt weiterhin an meinem Bein. Ich sage zu ihr, dass ich beim besten Willen nicht bleiben kann und verabschiede mich von ihr. Sie dreht sich um und geht Richtung Gruppenraum. Hm. Ok. Ich ziehe meine Schuhe an, gucke dann nochmal, ob ich sie sehe. Nein, gut, dann gehe ich jetzt nach Hause.

Das Baby schläft weiterhin. Zu Hause angekommen räume ich etwas auf, kümmere mich um die Wäsche, mache Betten und schaue immer mal wieder nach, ob das Baby nach wie vor pennt. Schließlich setze ich mich auf Sofa und lese Twitter nach. Nach ganzen anderthalb Stunden wird das Baby endlich wach. Wir stillen und spielen ein wenig. Auf der Krabbeldecke übt sie ernergisch das Drehen, aber es klappt nach wie vor nicht.

Ich recherchiere zum Thema Infrarotheizungen und mache mir etwas Gedanken, ob wir es wohl pünktlich zum Friseurtermin schaffen werden. Dank Ausflugstag isst die Kitagruppe heute spät, das hatte ich beim Terminausmachen nicht bedacht. Ich schaue nach, wie lang der Bus fährt. Drei Minuten? Huch? Oh. Das ist die U-Bahn. Natürlich, die gibt es ja auch noch, völlig vergessen. Na gut, wir werden wohl halbwegs pünktlich sein.

Um zwanzig nach 12 mache ich mir Essen warm. Es gibt klassischen Grünkohl mit Wurst. Das Baby sitzt auf meinem Schoß und grapscht mir immer wieder auf meinen Teller. Nein, meine Kleine, dafür bist du noch etwas zu jung!

Sie motzt und schläft nach ein paar Minuten an meiner Schulter ein. Ich setze mich mit ihr aufs Sofa, um diesen Beitrag zu beginnen. Da ist es kurz vor eins.

Es ist jetzt 13:22, das Baby wird wieder wach.

Wir  wickeln und stillen, ich gehe nochmal aufs Klo, dann gehen wir los. In der Kita müssen wir kurz warten, bis die Kinder mit dem Essen fertig sind. Leider hab ich den obligatorischen Fruchtriegel vergessen, aber ich hab genug Bestechungsschokolade eingepackt. Ähem.

Das Kind lässt sich zum Glück schnell anziehen, Jacke und Schal sind dreckig, der Ausflug war offenbar ein Erfolg.

Am Aufzug zur U-Bahn müssen wir warten und deshalb auf die Bahn und sind dann doch wieder in Verzug. Ich hasse es.

Wir kommen aber noch halbwegs pünktlich. Die Probleme fangen jetzt erst an, das Kind möchte sich nämlich trotz aller Versprechungen nicht die Haare schneiden lassen und klebt an meinem Hintern. 
Schließlich können wir sie überreden, sich die Jacke auszuziehen und sich auf den en Stuhl zu setzen. Umgang oder Handtuch werden nicht geduldet. Dann ohne.
Die Friseurin hat zum Glück Geduld und schließlich hat das Kind trotz Proteste und Gewackele die Haare wieder ordentlich. Ich gebe ordentlich Trinkgeld, dann verabschieden wir uns. Für ein paar Monate haben wir jetzt alle Ruhe. 

Wir gehen zum Einkaufszentrum. Auf dem Weg dahin muss das Kind Pipi. Ich lasse sie im Schutz vom Kinderwagen an einen Busch  pinkeln und trete dann zur Strafe in einen Hundehaufen.

Wir sitzen uns zum Stillen  und Schokolade essen auf eine Bank. Danach gehen wir einkaufen, was erfreulich reibungslos verläuft. Danach klettert das Kind noch in einem dieser Fahrzeuge rum, für die man Geld bezahlen muss, was ich aus Prinzip nicht tue, dann fahren wir mit dem Bus nach Hause. 

Wir sind um kurz nach vier zu Hause, fünf meter vor dem Haus schläft das Baby ein, so dass ich noch kurz draußen bleibe, um den Wagen zu schuckeln.
Das Kind ist irritiert und fragt mehrfach, ob ich jetzt reinkomme.

Ausziehen, Sachen aufhängen, Hände waschen. Letzteres ist ganz wichtig, da klebt sogar noch Ausflugsdreck dran. Abhärtung ist alles.

Das Kind darf die Smarties essen, die ich ihr versprochen hatte (ja, es gab viel Schokolade heute), ich esse Plätzchen und gucke kurz aufs Handy, dann machen wir die Kerze an, lesen das aktuelle Lieblingsbuch vom Kind („Alle Kinder dieser Welt“) und gleich zweimal die heutige Adventsgeschichte.

Gegen zwanzig vor fünf gehe ich in die Küche um einen nasses Tuch für die Hände vom Kind zu holen und stelle auf dem Rückweg fest, dass das Baby wach ist. Sie hat allerdings keinen Ton von sich gegeben. Ich überlege, ob sie wohl der Adventsgeschichte gelauscht hat.

Die Zeit vergeht mit Spielen, ein paar Lieder am Laptop gucken, Haferflocken essen, Stillen, einmal aufs Töpfchen und einmal aufs Klo gehen.

Um viertel vor sechs gehen wir hoch zum Baden. Ich puste mal wieder den Rand der Duschbadewanne auf und muss dann feststellen, dass da wohl nicht nur ein kleines Loch ist, sondern das Ventil kaputt ist. Die Luft geht so schnell raus wie rein. Der Pool kostet in der neuen Version mal eben 50€ und eigentlich hab ich keine Lust, das auszugeben. Ohne gehts zumindest die nächsten drei Jahre eher nicht.

Das Kind planscht im Bad, das Baby liegt mit den nackigen Beinen zappelnd auf dem Badvorleger und lutscht fröhlich an ihren Händen. Meine Kinder sind schon ziemlich toll!

Gegen zehn nach sechs hole ich das Kind aus der Wanne, dusche sie ab und gebe ihr das Handtuch. Sie legt sich neben ihre Schwester auf den Badvorleger. Ich bereite alles für die Nacht vor, hole eine Windel und den Schlafanzug und fülle den Becher fürs Kind. Ich ziehe das Kind an und putze ihr die Zähne. Immer wieder muss ich sie dazu vom Badvorleger holen und werde irgendwann ziemlich laut.

Dann kommt das Baby dran. Wickeln und in den Schlafanzug stopfen. Das Kind steht neben dem Wickeltisch auf einem kleinen Stuhl und fällt vor lauter Hampelei gleich zweimal runter. Das stört sie allerdings überhaupt nicht. Ob sie es wohl je lernen wird?

Das Baby kommt in den Schlafsack und ich lege sie ins Bett vom Kind. Das große Kind „liest“ ihr vor, während ich nochmal aufs Klo gehe. Dann stille ich das Baby und lese währenddessen zwei Geschichten vor. Gute Nacht, Licht aus, um zwanzig vor sieben schläft das Kind. War ein anstrengender Tag!

Ich gehe nochmal kurz mit dem Baby runter, sie ist noch nicht müde genug. Ich hole Geschenkpapier, der Mann hat morgen Schrottwichteln und hat mich gebeten, das Geschenk einzupacken. Das Baby knurrt mich an, wir gehen doch wieder hoch.

Ich wippe mit ihr auf dem Pezziball, bis sie schläft und lege mich dann mit ihr ins Bett, um sicherzugehen, dass sie wirklich schläft.

Um halb acht gehe ich runter, mache das Babyfon an und mir selbst Abendbrot. Dann packe ich das Geschenk ein, der Tee muss schließlich noch ziehen und esse dann vor dem Fernseher.

Mal schauen, wie der Abend wird, ich hoffe ruhig.

Gute Nacht!

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Ein Vierteljahr Chillerbaby 

Liebste kleine Tochter,

heute bist du schon ein Vierteljahr bei uns und natürlich ist es so, als wärest du nie fort gewesen. Wie langweilig war es doch mit einem Kind. ;)

Wobei du, wie der Titel schon andeutet, ein ziemlich entspanntes Baby bist. Dein Opa attestierte dir letztens eine gewisse Grundzufriedenheit, die deiner großen Schwester immer abging, besonders als Baby. Stoisch akzeptierst du es, wenn sie dich mal wieder vor lauter Liebe erdrückt, dir hundert Küsse aufdrückt oder an deinem Arm zieht. Oder sich gleich auf dich drauflegt.

Nach dem etwas blöden Start hast du dich zu Hause schnell in unsere Familie eingefügt. Es ist wirklich recht einfach mit dir, wobei wir natürlich beim zweiten Kind nochmal entspannter sind. Das Stillen klappte von Anfang an völlig problemlos. Hin und wieder bekommst du etwas, was für mich bei deiner Schwester ganz undenkbar war, nämlich ein Fläschchen mit Premilch. Dein Papa ist dadurch deutlich entspannter, weil er im Fall der Fälle quasi unabhängig von mir ist.
Das Fläschchen findest du ok. Deinen Schnuller auch, aber kommst auch ohne klar. Manchmal ist es aber ganz praktisch, wenn er da ist.

Du bist ein Riesenbaby. Vor etwa einer Woche habe ich dich gemessen und bin auf 64 cm gekommen.  Tatsächlich räume ich schon die Klamotten in Gr. 68 in den Schrank. Mit zwei Monaten hast du Strampler getragen, die deine Schwester mit etwa einem halben Jahr trug und sie waren nicht so viel zu groß wie man meinen könnte. Besonders speckig bist du bisher aber nicht. Lang und schmal.  Demnächst haben wir U4, ich bin gespannt, was die anderen Werte so ergeben.

Dem Kinderarzt hast du auch schon  öfter gesehen, als ich es gewollt hätte. Du hast dir eine Bronchitis eingefangen, zumindest den Beginn davon und musstest inhalieren. Das ging aber erstaunlich gut und du bist auch während gelegentliche Husten-Spotz-Würg-Anfälle immer ganz ruhig geblieben.
Ganz ungewöhnlich finde ich dein Schlafverhalten. Von Anfang hattest du eine Art Rhythmus und zumindest die ersten Wochen hast du auch tagsüber wahnsinnig viel geschlafen. Das hat sich leider etwas gegeben, an manchen Tagen hast du später  kaum zwei Stunden geschlafen. Mittlerweile kommen wir auf etwa vier Schläfchen tagsüber, meist auf mir, meist nicht sehr lange, aber es ist ok. Nachts schläfst du erfreulich gut, es kommt oft vor, dass du nur zweimal aufwachst. Sogar durchgeschlafen hast du per Definition schon, zweimal fünf und Anfang Oktober einmal sogar unglaubliche sieben Stunden.

Abends gönnst du mir meist einen Feierabend. Die ersten Wochen bin ich noch um spätestens acht mit dir ins Bett gegangen, aber irgendwann konnte ich wieder problemlos aufstehen. Derzeit gehst du zur gleichen Zeit wie deine Schwester ins Bett. Und, noch etwas bisher absolut undenkbares: manchmal kann dich sogar der Papa ins Bett bringen.

Nur Unterwegssein findest du doof. Autofahren, oder mit dem Bus, das findest du zum Schreien. Leider nicht komisch. Du schläfst auch nicht einfach im Kinderwagen ein, wie ich es von deiner Schwester kenne. Das Tragetuch ist ok, aber auch nicht der Weisheit letzter Schuss.

Du bist ein kleines Strahlebaby, lachst uns oft ganz überraschend an, seit kurzem sogar mit Ton. Nichts macht mich glücklicher! Ganz aktuell entdeckst du allmählich deine Hände und übst fleißig deinen Kopf in Bauchlage zu halten.

Liebe kleine Maus, ich bin schon sehr gespannt, wie die nächsten Monate sein werden!

WMDEDGT November 2017

Wie immer am fünften eines Monats fragt Frau Brüllen, was wir den ganzen Tag so machen.

Die Nacht ist ok. Ich schaue gegen ein Uhr aufs Handy und dann wieder um kurz vor sieben. Zwischendurch wae ich definitiv auch mal wach, aber es geht. Die Nächte davor waren dann krankem Baby (beginnende Bronchitis) deutlich unruhiger.

Mir tut der Rücken weh und ich würde gerne noch zehn Minuten alleine rumliegen, aber das wird mir nicht vergönnt. Der Mann zieht sich und das große Kind an und geht dann Brötchen holen. Das große Kind darf etwas iPad gucken. Ich lese kurz den heutigen Timehop, während das Baby abwechselnd die Lampe  und ihr Mobile bestaunt. Dann stehe ich auf und ziehe erst mich, dann das Baby an. Unterdessen kommt der Mann zurück. Ich bringe das Baby runter und gehe nochmal hoch, meine Haare machen und den Windeleimer leeren.

Dann koche ich mir Tee, hole die Butter aus dem Kühlschrank, die vergisst der Mann grundsätzlich, und wir frühstücken.

Als erstes verkündet das große Kind, dass sie fertig ist und fängt dann an, das Baby in der Wippe zu nerven. Der Mann rettet die Kleine und legt sich mit ihr aufs Sofa. Während ich den Tisch abräume, geht hörbar was in die Windel. Wie passend, gleich ist nämlich Baden angesagt. 

Nach dem Tisch abdecken ist der Wäscheständer dran. Wieder geht was in die Windel. Also ab nach oben. Der Mann zieht das Kind aus und säubert sie, ich lege alles zum Baden bereit. Ich gehe kurz aufs Klo und darf danach ein nasses, stoisch dreinblickendes Baby entgegennehmen. 

Abtrocknen, eincremen, vorher ne Windel drunterlegen, denn, hoppla, da ist es schon, kaum bin ich fertig mit eincremen, kommt nämlich das Pipi. Unfehlbar, man kann quasi die Uhr nach stellen. Die Unterlage ist trotzdem nass. Baby fertig  anziehen, Gesicht eincremen, man kann sich wirklich ewig damit aufhalten.

Das große Kind muss Zähneputzen, ich erledige das so gut es geht. Leider wird die elektrische Zahnbürste derzeit nicht akzeptiert. Selber Zähneputzen, danach Wäsche einräumen  und die Handtücher wechseln. Der Mann spielt derweil mit den Kindern verstecken.

Gegen neun Uhr hat das Baby Hunger. Ich setze mich mit ihr aufs Sofa, lasse sie zunächst inhalieren, dann stillen und lese solange meine Timeline nach. Das Baby schläft ein, ich beginne am Handy diesen Beitrag.

Das Baby schläft eine Weile, dann übergebe ich sie an den Mann. Ich kümmere eine weitere Maschine Wäsche, beziehe das Bett vom großen Kind neu, bringe Sommerklamotten auf den Dachboden und die Pullover runter, räume im meinem Schrank rum, und schlage einen Nagel in die Wand. Vor über zwei Jahren hatte ich ein Bärenbild von e13kiki bestellt, das wollte endlich aufgehängt werden.

Dann hänge ich die Wäsche auf. Es ist kurz vor halb zwölf. Das große Kind möchte heute keinen Mittagsschlaf machen, also gucken wir zusammen die Sendung mit der Maus. Es ist lustig, das mit ihr anzusehen. Das Baby schläft derweil auf meinem Arm. 

Später kotzt sie mich voll und ich muss mich und sie umziehen. 

Um halb eins fahren wir los zu meiner Schwiegermutter zum Mittagessen. Dort gibt es klassischen Grünkohl mit Kassler, Bauchspeck und polnischer Wurst. Lecker! Vorher eine Kürbissuppe und zum Nachtisch einen sehr leckeren Schokoladenkuchen. Meine Schwiegermutter ist in Hausmannskost fast unübertroffen.

Das Kind isst nicht so viel, haut dafür ein großes Geschäft in die Unterhose. Am Tag zuvor hat das schon mal besser geklappt. Na gut. Kein Fortschritt ohne Rückschritt. Schwiegermutter erbarmt sich und macht das Kind sauber.

Später spielt das Kind, das Baby stillt und schläft ein bisschen. Ich unterhalte mich mit Schwiegermutter und stelle ihr das Smartphone neu ein.

Gegen 15 Uhr fahren wir wieder. Als wir zu Hause sind, geht der Mann noch eine Runde mit dem Kind und dem Roller raus.

Ich suche mein Bastelzeug zusammen, Schwiegermutter hatte noch eine Käseschachtel und ich plane, aus selbiger eine Laterne zu basteln, zusammen mit Transparentpapier und ein paar Blättern, die ich vor ein paar Tagen mit dem großen Kind gesucht und gepresst habe.

Erstmal hat aber das Baby Hunger. Während ich auf dem Sofa sitze, kommen Mann und Kind wieder. Er bringt mir auf meinen Wunsch hin was zu trinken und geht dann hoch, sich hinlegen. Wir folgen unmittelbar, denn das Kind hat die nächste Unterhose ruiniert. Diese schmeiße ich tatsächlich weg.

Der Mann legt sich mit dem Baby hin, dem Kind schlage ich vor, gemeinsam zu basteln. Sie ist nicht so überzeugt und guckt lieber ein paar Bücher und bekommt für ein paar Minuten das iPad. Ich bastele vor mich hin, mehr schlecht als recht.

Schließlich kommt der Mann mit dem Baby runter, bewundert mein Werk und fragt dann das große Kind, ob sie auf seinen Schoß will, um die Laterne anzusehen. Das Kind meint, sie könne nicht auf seinen Schoß, sie habe Kaka gemacht. Ähm ja.

Der Mann ist sauer und will mit ihr schimpfen, ich halte ihn aber zurück, das ist meines Erachtens kontraproduktiv. Besonders glücklich bin ich aber auch nicht, zumal sie nicht mitkommen will, um sich saubermachen zu lassen.

Auch diese Unterhose schmeiße ich weg. Irgendwie hat das Kind Durchfall.
Der Mann macht die Badewanne fertig. Das Kind hatte eh baden wollen.
Ich setze mich müde auf den Hocker. Der Mann schlägt mir vor, mich hinzulegen. Ich nehme das gerne an. Die Ruhe hält allerdings nicht lange, das Baby wird motzig. Ich nehme sie zu mir und stille sie. Sie schläft eine Weile, macht dabei aber fürchterliche Geräusche. Ich lese solange mein Buch.

Schließlich wird sie wieder wach und ich mache ihr eine frische Windel. Im Wohnzimmer bastele ich dann weiter an meiner Laterne. Schließlich ist sie weitestgehend fertig. 

Draht und einen Laternenstab brauche ich  noch. 

Ich räume mein Zeug weg und setze mich kurz an den Computer.

Meine Mutter fragt, ob wir skypen wollen, das passt mir aber nicht so in den Kram. Das Baby ist motzig, das Kind spielt dafür ausnahmsweise konzentriert. 

Ab 18 wird es allerdings anstrengend, da wir sie ständig vom einschlafen abhalten müssen. Eine gute halbe Stunde muss sie mindestens noch aushalten. Schließlich können wir sie mit Ballspielen ablenken, danach isst der Mann mit ihr zu Abend. Das Baby hält ein Nickerchen auf mir.

Um 20 vor sieben mache ich eine Flasche fertig (manchmal gibt es eine) und gehe danach mit dem großen Kind hoch. Umzuziehen, Windel an, Zähneputzen, Becher füllen. Wir gucken noch ein Buch an, um 19 Uhr mache ich das Licht aus und hoffe auf schnellen Schlaf.

Um zehn nach sieben schläft sie. Das Baby quakt und muss dann wohl auch mal ins Bett.
Doch nicht, sie schläft auf dem Mann und ich kann mir Abendessen machen. Währenddessen lese ich das neueste Buch von Carlos Ruiz Zafón.

Gegen viertel vor acht bringe ich das Baby ins Bett. Nach etwas stillen und hüpfen auf dem Sitzball schläft sie. Ich lese derweil mein eBook. Um halb neun gehe ich runter zu meinem Strickzeug und einer Folge Stranger Things (erste Staffel). Der Mann guckt derweil Football. 

Um zehn Uhr gehe ich duschen, danach ins Bett. Gute Nacht! 

Trocken werden, Trocken sein

Gut 9 Monate hat es vom ersten Pipi im Töpfchen und weitere Fortschritte gedauert, aber nun ist es, zumindest zum allergrößten Teil geschafft.

Das große Kind ist trocken, jedenfalls tagsüber. Pünktlich zu ihrem dritten Geburtstag klappte es plötzlich.

Zwei Tage zuvor gab es den bis dato letzten Pipiunfall, seitdem geht sie konsequent aufs Töpfchen, das der Einfachheit halber im Wohnzimmer steht oder eben aufs Klo. 

An ihrem Geburtstag brachte der Mann das geforderte Paket Windeln und Feuchttücher im die Kita, denn  ab dem dritten Geburtstag werden die Windeln nicht mehr gestellt. Von der Packung wurden wahrscheinlich höchstens zwei Windel gebraucht, denn zwei Tage später ging sie zum ersten  Mal ohne Windel in die Kita und hatte seitdem tagsüber nur noch ein einmal eine an.

Nachts trägt sie weiterhin eine, aber das ist ja kein Problem. Manchmal ist die Nachtwindel sogar trocken, aber bevor sie es nicht selbst sagt, bekommt sie weiter eine an. 

Die neue Situation ist erstaunlich angenehm, da sie das alles sehr selbstständig macht. Manchmal erinnere ich sie noch dran, aber oft genug geht es auch ohne. Auch auf dem Spielplatz hockt sie sich einfach hin und ich bin ganz froh, das 15-kg-Kind nicht abhalten zu müssen. Bisher blieb dabei auch alles sauber.

Apropos sauber. Mit dem kleinen Geschäft klappt es nun also ganz gut. Mit dem großen.. nicht so. In der Woche vor ihrem Geburtstag gab es fast jeden Tag Kaka in der Unterhose. Einmal immerhin im Töpfchen. Bei Schwiegermutter geht sie zu diesem Zweck brav aufs Klo. In der Kita ist wohl bisher nix passiert, ich vermute aber dass das Zufall ist. Nun, Wechselwäsche ist genug dort.

Mein Mädchen wird groß! Nun haben wir im Großen und Ganzen also nur noch ein Wickelkind! Wieviel Geld man da doch spart! ;) 

Drei Jahre!

Drei Jahre ist dieser Tag, an dem wir morgens ins Krankenhaus gingen und ich kurze Zeit später unter hellem OP-Licht ein dünnes kleines schreiendes Kind auf der Brust hielt, schon her.

Sie waren die schönsten, aber auch anstrengendsten Jahre meines Lebens. Niemals wieder möchte ich auf dich verzichten, geliebtes Kind!

Ich kann vieles aus meinem Bericht zum zweiten Geburtstag bestätigen. Du bist immer noch eine Quatschmacherin, du kletterst wie ein Äffchen, bist nach wie völlig unerschrocken und liebst Action, egal von wem, Hauptsache, du hattest ein paar Minuten Zeit, dich an ihn zu gewöhnen. Dein besonderer Held ist der Opa! Der darf alles, dich baden, dich ins Bett bringen, dir vorlesen, mit dir im Sandkasten spielen, dir die Hände waschen usw.

Letzteres ist gerne mal ein Thema bei uns. Ich bestehe auf Hände waschen nach dem Heimkommen, aber du siehst das noch nicht so recht ein und so muss ich auch mal laut werden. Das muss ich überhaupt öfter mal, denn du kannst ein kleiner Sturkopf sein. Du kannst Anweisungen so wunderbar ignorieren, das ist schon fast bewundernswert. Meine Geduld ist da doch des öfteren schon mal am Ende.

Du drehst gerne mal am Rad, wie es Zweijährige wohl einfach tun. Du hast in diesem vergangenen Lebensjahr, besonders gegen Ende aber auch allen Grund dafür. In der Kita wurdest deutlich eher als erwartet in den Elementarbereich eingewöhnt und gehörst nun zu den Großen. Das ist eine gewaltige Umstellung, insbesondere weil du dort keinen Mittagsschlaf mehr bekommst, den du eigentlich noch dringend brauchst. Trotzdem hast du das alles bisher besser mitgemacht als erwartet.

Ein noch größerer Umbruch ist zu Hause geschehen, denn am 12.08. wurde deine kleine Schwester geboren. Schon in der Schwangerschaft warst du sehr liebevoll und besorgt um Mamas dicken Bauch und deine Liebe hat mit der Geburt nicht nachgelassen. Du herzt und drückst und küsst das Baby, dass wir manchmal schon einschreiten müssen, damit du sie mit all deiner Liebe nicht erdrückst. Es ist wunderbar, euch beide zu sehen und ich freue mich schon, wenn ihr beide richtig interagieren könnt.

Erfreulicherweise zeigst du fast keine Eifersucht, es sei denn, deine geliebte babcia hat das Baby auf dem Arm. Das gefällt dir nicht so richtig. Babcia ist nach wie vor ein wichtiger Fixpunkt in deinem Leben. Jeden Samstagnachmittag bist du bei ihr und unter der Woche auch hin und wieder mal. Wir sind sehr dankbar, diese Möglichkeit zu haben.

Ansonsten bist du einfach unser großes Mädchen, in allen Belangen. Beim „Übergabegespräch“ in der Kita wurdest du in den höchsten Tönen gelobt, sogar als gute Esserin giltst du. Da musste ich aber doch nachfragen, ob wir vom selben Kind sprechen. Mit dem Essen hast du es zu Hause nicht so. Deine Leibspeisen sind Haferflocken, Kartoffelbrei, Wurst(brot)/Würstchen und Pizza. Nudeln gehen auch manchmal. Hin und wieder auch mal eine Banane oder Äpfel bei der Oma.
Da du in der Kita ja aber sogar Obst und Gemüse isst, machen wir uns da keine großen Sorgen. Du bist fit und gesund!

Besonders auffällig ist deine Sprache. Du sprichst vollständige Sätze und hast einen riesigen Wortschatz. Deine Oma staunt immer wieder, wie gut du dich schon für dein Alter ausdrücken kannst. Ein kleiner Papagei bist du natürlich auch und sprichst jedes unbekannte Wort nach. Da kann es beim Autofahren dann schon mal vom Rücksitz tönen: „Alles gut, Schatz! Du brauchst dich nicht aufregen!“, wenn der Mann sich über unfähige Autofahrer echauffiert. Spieglein, Spieglein…

Ein Grund für deine ausgeprägte Sprache ist neben Vorlesen, Singen und Kita sicher auch das iPad. Du bist regelrecht süchtig nach dem Ding und wir müssen es wirklich sehr begrenzen, wenn man dich ließe, würdest du den ganzen Tag davor versacken. Und dafür ist es dann doch etwas früh.

Die Kinderserien, die du dir auf dem Tablet ansiehst, beflügeln aber durchaus deine Fantasie und du spielst du verschiedenen Szenen oft nach. Da müssen auch schon mal Mama, Papa oder die Großeltern als Statisten herhalten.
Wie oft hast du schon Geburtstagskuchen für uns im Sandkasten gebacken…

Ein wichtiges Thema in diesem Lebensjahr war natürlich das Trocken werden. Seit Monaten machst du viele Fort- und Rückschritte und derzeit geht es wirklich gewaltig voran. Ich denke, es wird nicht mehr lange dauern, bis du tagsüber trocken bist. Nur das mit dem großen Geschäft, das musst du noch lernen. ;)

Zu erwähnen wären wohl auch noch deine ersten beiden Friseurbesuche in diesem Jahr. Von deinen langen Locken hatte ich zu Beginn des Sommers die Nase voll, zumal du auch keinen Zopf mehr haben wolltest. Im Juli wurden sie dann auf etwas unterhalb der Ohren abgeschnitten. Beim zweiten Besuch warst du nicht mehr so begeistert wie beim ersten und hast dich sehr an mich geklammert, aber die Frisur passt wunderbar zu dir!

Beim Zahnarzt warst du ebenfalls, einma außer planmäßig, da du über Zahnschmerzen geklagt hattest. Du hast dich anstandslos auf den Stuhl gesetzt und dir in den Mund schauen und die Ärztin alles abtasten lassen. Sie hat zwar nichts gefunden, aber ich war selten stolzer auf dich!

Mit Ärzten haben wir ansonsten nicht viel zu schaffen. Du bist *toitoitoi* ein sehr gesundes Kind, nur wenn wir verreisen wollen, wirst du fast unweigerlich krank. Die Notartzpraxis in München kennen wir jetzt also auch schon… Immerhin, es bleibt meist bei Erkältungen und etwas Fieber oder einmal übergeben.

Nun können wir also endlich deinen dritten Geburtstag feiern, nachdem du seit Monaten darauf hinfieberst. Das Wetter ist fantastisch, es hat wohl ein Einsehen, damit du dein Geburtstagsgeschenk, einen Roller, direkt ausprobieren kannst. Ich bin gespannt, wie er dir gefallen wird!

Auf ein wunderbares spannendes neues Lebensjahr, geliebtes Kind, unser kleiner Brosch, unser verrücktes Mädchen! Wir haben dich lieb!

Deine Mama, dein Papa!

WMDEDGT Oktober 2017

Frau Brüllen fragt, was wir eigentlich den ganzen Tag so machen. Momentan komme ich nicht viel zum Bloggen, aber das Tagebuchbloggen ist es dann doch mal wert. ;)

Die Nacht ist ganz gut. Gegen viertel vor drei wühlt mich das Baby zum ersten Mal wach. Bis dahin hat sie etwa fünfeinhalb Stunden geschlafen, das finde ich schon ziemlich gut. Nächster kurzer Stillstopp um kurz vor halb sechs. Danach öchzt und kröchzt sie noch etwas, schläft aber wieder ein.
Irgendwann werde ich wach, denke noch im Scherz: „Ist bestimmt schon sieben“, um voller Schreck die Uhrzeit 6:56 Uhr auf dem Handy zu sehen. Scheiße! Um acht will ich beim Kinderarzt sein, das Baby bekommt die erste Impfung.
Der Mann hat einen Workshop und bringt um neun das große Kind zur Kita. So kann ich zumindest diesmal mit nur einem Kind beim Arzt aufschlagen.

Ich bin etwas gestresst, weil ich auch auf jeden Fall noch was essen muss. Ich denke, dass der Mann sicher das Baby wickeln wird, aber der geht erstmal duschen. Ich bin sauer, weil er nicht mitdenkt. Ich ziehe mich rasch an, das Baby findet das doof und schreit, was wiederum das große Kind (die hatte tatsächlich bis nach sieben Uhr geschlafen, über zwölf Stunden ohne Mucks) auf den Plan ruft und natürlich schreit sie solidarisch mit. Der Mann kommt aus der Dusche und beruhigt sie. Ich wickle das Baby und übergebe sie dem Mann.

Frühstückszeit. Ich hole zwei Brötchen aus dem Gefrierfach, überlege, ob ich Müsli essen soll und stelle fest, dass noch Bananenquark vom Vortag da ist. Perfekt! Der Mann kommt und sagt, ich solle noch zwei Brötchen aus dem Gefrierfach holen. Ich denke, dass er auch Brötchen essen will, es stellt sich aber später raus, dass das die üblichen Brötchen sind, die das Kind und ich morgens immer essen. Missverständnisse ohne Ende hier.

Beim Frühstücken stille ich das Baby und nehme sie dann mit hoch ins Bad. Dann übergebe ich sie wieder dem Mann. Ich muss meine Schuhe anziehen. Außerdem regnet es, wir brauchen die Regenplane für den Kinderwagen. Schließlich sind wir abfahrbereit. Ich gehe zur Bushaltestelle. Der Kinderarzt ist praktischerweise nur ein paar Stationen mit dem Bus entfernt. Das Baby fährt leider nicht gerne Bus und schreit die meiste Zeit.

Bei der Praxis angekommen, sind wir tatsächlich etwas zu früh und müssen draußen warten. Ich nehme das schreiende Baby aus dem Kinderwagen, was kurze Zeit später eine Frau auf den Plan ruft, die meint, dass es ziehe und meinen Schal ums Kind drapiert. Nun möglicherweise hat sie recht. Sie war jedenfalls sehr freundlich.

Endlich dürfen wir rein. Wir warten nur kurz und können dann in einen kleinen Behandlungsraum. Erst kommt unser Kinderarzt für einen kleinen Check, dann die Helferin für die Impfung. Heute ist es harmlos, nur eine Schluckimpfung. In ein paar Wochen zur U4 wird auch gepiekst.

An der Bushaltestelle erhalte ich eine Nachricht von meiner Freundin, sie hätte die halbe Nacht über der Kloschüssel gehangen und müsste unser nachmittägliches Treffen absagen. Schade, ich hatte mich schon gefreut. Zum Glück hatte ich dem großen Kind nicht gesagt, dass ihre Freundin M. kommen sollte.

Auf der Rückfahrt schläft das Baby im Bus ein. Ich mache mir aber keine Illusionen, dass sie jetzt länger schlafen wird und tatsächlich wird sie zu Hause nach ein paar MInuten wach. Ich nehme sie mit aufs Sofa zum Stillen. Sie schläft wieder ein, wird aber beim Ablegen (ich muss echt dringend aufs Klo) wieder wach. Ok, geht jetzt nicht anders.

Sie liegt bei meiner Rückkehr ganz zufrieden auf dem Sofa und ich fange an, diesen Beitrag zu schreiben. Dann fängt sie an zu motzen, ich lege sie auf meine Schulter, wo sie einschläft.

Leider müssen wir bald wieder raus in den Regen, um halb elf habe ich meinen Termin zur Nachuntersuchung bei der Frauenärztin.
Außerdem hab ich einen Anflug von Halsschmerzen und keine Ahnung, was ich heute essen könnte.

Jetzt ist es 09:34 Uhr.

Wir kommen pünktlich aus dem Haus. Prompt fahren zwei Busse an meiner Nase vorbei. Der dritte kommt direkt hinterher (alles dieselbe Linie…), den erwische ich danke eines schnellen Spurts.

Das Baby ist wie üblich nicht begeistert vom Bus- und Bahnfahren, lässt sich aber auf dem Arm beruhigen. Der Aufzug am Hauptbahnhof funktioniert. Der für die Gegenrichtung leider nicht. Ich muss also später auf eine andere U-Bahn-Station ausweichen und meinen Plan, zum einzigen wirklich barrierefreien Budni in der Innenstadt zu gehen, kann ich auch ad acta legen. Es ist so nervig. Aber gut, dann gehe ich halt zu dm.

Das Baby schläft wider Erwarten auf dem Fußweg zur Praxis ein. Es regnet übrigens.
Die Helferinnen stehen zufällig alle drei vorne am Tresen und freuen sich mich zu sehen. Einmal aufs Klo gehen bitte, dann Blutdruck messen und, och nö, Blutabnehmen. Ich hab da ja eigentlich kein Problem mit, aber mit dieser Helferin hab ich schon mal schlechte Erfahrungen bei dem Thema gemacht. Doch ich habe Glück, sie findet keine Ader und ruft die Blutabnahmefee herbei (so nenne ich sie, weil sie das quasi schmerzfrei kann). Sie ist erfolgreich, nur einmal tut es doch kurz weh, da war wohl ein Nerv in der Nähe.

Das Baby schläft friedlich weiter, ich werde vom Wartezimmer ins Sprechzimmer gebeten, wo ich in Ruhe in meinem Buch lese, bis Frau Doktor aufkreuzt. Sie ist ein bisschen konsterniert, dass es mit meiner Wunschgeburt doch nix wurde und redet dann über Verhütung. Nee, keine Hormone mehr und bittedanke auch keine Spirale. Wir nehmen erstmal Kondome, bis wir eine Lösung gefunden haben.

Kurz bevor ich auf den Stuhl soll, höre ich draußen das Baby quäken. Sie meint, wir würden uns beeilen und ihre Helferinnen hätten da Erfahrung. Na, mir solls recht sein. Sie untersucht mich rasch und findet meinen Beckenboden super und klasse. Zur Rückbildungsgymnastik soll ich aber auf jeden Fall. Jawohl, mach ich, alles schon in die Wege geleitet.

Alles gut, nächste Vorsorge in einem Jahr. Draußen nehme ich mein Baby entgegen und bekomme das CTG-Zimmer zum Stillen und Wickeln angeboten. Kurz bevor ich die Türe schließe, höre ich noch, wie die Helferinnen fasziniert darüber sprechen, wie ähnlich mir das Baby doch sieht. Hihi! Ich liebe diese Praxis!

Dann verabschiede ich mich und gehe mit dem Baby rasch Geld holen, dann zu dm und hole mir dann noch eine Ofenkartoffel zum mitnehmen. Sie schläft die meiste Zeit friedlich, jedenfalls solange ich in Bewegung bin. Dann gehe ich zur U-Bahn-Station und habe Glück, alle Aufzüge funktionieren. Unterwegs werde ich noch gefragt, wie man zur U3 kommt. Mit Kinderwagen sieht man offenbar vertrauenerweckend aus, gestern Abend wurde ich auch schon nach dem Weg gefragt. Da konnte ich aber nicht helfen.

Wir fahren nach Hause, ich kann weiter mein Buch lesen. Zuhause treffe ich einen Nachbarn, der ein Paket für mich hat. Erwartet hatte ich den Roller fürs große Kind, aber es ist von meiner Tante.

Dann brate ich zwei Fleischkäse an und esse sie mit der Ofenkartoffel. Das Baby? Pennt. Wie ungewöhnlich!
Beim Mittagessen noch ein unangenehmes Erlebnis, mir bleibt mal wieder was im Hals stecken und ich spucke das reflexartig getrunkene Wasser im hohen Bogen über mich, den Tisch, den Boden. Ich hasse es.

Draußen schüttet es unterdessen eifrig weiter. Ein Sturm ist angekündigt und ich hoffe, er wartet, bis ich das große KInd von der Kita abgeholt habe.

Es ist 13:07 Uhr. Jetzt mache ich erstmal Pause.

Der Sturm lässt sich leider keine Zeit, draußen weht es ziemlich heftig und die Geräusche gefallen mir nicht. Leider hab ich keine Wahl, das Kind muss abgeholt werden. Ich lege das Baby in den Kinderwagen, ziehe meine Windjacke an und gehe los. Auf dem Weg zur Kita liegen viele abgebrochene Äste und ich fluche leise vor mich hin. Meine größte Angst ist immer, von so einem Ding getroffen zu werden.

Es geht aber alles gut. In der Kita teilt mir die Erzieherin mit, das Kind habe geschlafen und sie hätte behauptet, sie sei spät ins Bett gekommen. Pff.

Wir gehen schnell durch den Wind nach Hause, immerhin hat es aufgehört zu regnen. Zuhause verlangt das Kind ein Stück schokolade, ich bestehe auf vorherigem Händewaschen.
Dann spielen wir ein Spiel, ich stille das Baby in den Schlaf und kann sie wieder in den Kinderwagen legen, wo sie eine Weile schläft. Das Kind und ich sind abwechselnd Frau Doktor Braunbär und spielen mit dem Arztkoffer.

Draußen ist der Sturm vorbei. Die Sonne strahlt von blauem Himmel.

Dann darf das Kind in der Küche am Spülbecken planschen. Sie hatte mich zunächst falsch verstanden, sie dachte, sie dürfte ins Planschbecken. Es gibt ein kleines Drama.

Vor dem Planschen ziehe ich sie bis auf die Unterwäsche aus, damit nicht alles völlig nass wird. Auch die Windel kommt weg. Über den Nachmittag geht sie zweieinhalb Mal erfolgreich aufs Klo und hat anderthalb Unfälle.

Sie planscht eine Weile und überschwemmt alles, das Baby liegt in der Wippe, was wie so oft zu einer vollen Windel führt. Also erstmal ne Runde wickeln.

Wir vertreiben uns so die Zeit, bis es halb sechs ist. Dann darf das Kind eine halbe Stunde mit dem iPad spielen. Gegen sechs mache ich ihr ein Brot, von dem sie nur einmal abbeißt.

Ab in die Badewanne! Um viertel nach sechs kommt der Mann heim und übernimmt das Baby. Nach einer Weile kann ich das Kind aus der Wanne quatschen, wickeln und in ihren Schlafanzug stecken.

Dann bekommt sie noch Haferflocken, das Brot von vorher esse ich auf und mache mir noch drei weitere Scheiben.

Das Baby ist auf dem Arm des Mannes eingeschlafen, also bringe ich das Kind ins Bett. Nicht sehr erfolgreich, nach längerem Umherwälzen beschließt sie, nicht einschlafen zu können, weshalb wir um viertel vor acht wieder runter gehen. Da rächt sich der ungeplante MIttagsschlaf.

Ich esse mein Brot und aktualisiere diesen Beitrag. Das Baby ist weiterhin ruhig, hat etwas Milch aus der Flasche getrunken und ist wieder auf dem Mann eingeschlafen. Selbiger guckt Baseball im Fernsehen.

Das Kind möchte auch was essen und bekommt was von meinem Brot ab.

Der Mann zeigt mir noch ein paar Baseball-Szenen, dann gehe ich wieder mit dem Kind hoch, wo ich noch eine Viertelstunde an ihrem Bett sitze und lese. Der Kindle ist einfach Gold wert! (Lektüretipp: Die Gestirne von Eleanor Catton)

Um halb neun schläft sie endlich und ich gehe duschen und Zähne putzen. Der Mann hat sich was zu essen gemacht und telefoniert nun mit seiner Mutter. Das Baby ist wach, aber ruhig. Ich nehme sie aus der Wippe und setze mich mit ihr aufs Sofa. Der Mann fragt nach meinem Tag, ich erzähle. Dann erklärt er mir irgendwelche technologischen Probleme, die er grade hat. Ich verstehe leider kein Wort.

Um neun Uhr gehen das Baby und hoch hoch. Sie ist nach wie vor erstaunlich ruhig. Der Mann vermutet die Impfung als Grund.

Um halb zehn mache ich das Licht aus. Gute Nacht! 

WMDEDGT September 2017

Tagebuchbloggen an jedem fünften eines Monats. Gesammelt wird bei Frau Brüllen.

Die Nacht… ist ganz ok. Das Baby wird halb zwei, um fünf und um sechs wach. Das große Kind war schon um 23 Uhr zu uns rübergewandert und schläft die ganze Nacht ruhig im Kinderbett. Um etwa viertel nach sechs wird sie wach und will dringend mit mir kuscheln. Zum Schießen finde ich die Frage: „Hast du noch ein Plätzchen frei für mich?“ Was diese Gören alles auf YouTube lernen!

Der Mann wickelt das Baby und geht dann duschen. Das große Kind möchte erst nicht aufstehen und nimmt mir einiges an Platz im Bett weg. Das Baby stillt solange weiter, will aber nicht mehr schlafen. Das große Kind geht runter. Dort versucht der Mann sie zu überreden, doch sich doch erstmal wickeln und anziehen zu lassen, aber aber sie bleibt relativ lange stur. Irgendwann klappt es doch.

Ich stehe um zehn vor sieben auf, Klo, waschen, anziehen und gehe dann mit dem Baby runter. Dort übergebe ich sie an den Mann und mache mir Frühstück.

Der Rest des Morgens ist das das übliche Prozedere. Frühstücken, das Kind zum Zähneputzen und Haare machen überreden. Und zu Fuß zur Kita zu gehen. Der Mann gibt nach und schiebt sie im Buggy davon. Er wird ihn später wieder mitbringen, denn mit Abholen bin heute ich dran.

Das Baby schläft ein wenig unruhig im Kinderwagen, ich setze einen Brotteig an. Als der Mann wieder da ist, besprechen wir das Mittagessen und was er einkaufen soll. Er fährt weg, ich tue nicht viel, außer lesen und hin und wieder den Schnuller ins Baby zurückzuschieben.

Nachdem der Mann wieder da ist, wird sie doch wach und möchte stillen. Ich übergebe sie an den Mann und erledige ein paar Telefonanrufe. Ich spreche mit einem Gärtner, der die Bäume in unserem Garten entfernen soll. Er kommt morgen mal vorbei zum Gucken. Der zweite Telefonanruf betrifft die Rückbildung. Wahrscheinlich kann ich im November anfangen, denn der nächste Kurs startet schon nächste Woche und das ist noch etwas zu früh für mich. Aber November reicht auch.

Zwischendurch kommt der Mann hoch zum Wickeln. Gegen zehn Uhr versuche ich das Baby und mich etwas hinzulegen, scheitere aber am zappelnden, hellwachen Baby. Später schläft sie beim Mann ein, aber da bin ich schon wieder beschäftigt und kriege so trotz Müdigkeit heute keinen Mittagsschlaf. Wird ja eh überbewertet. Um viertel vor zwölf schiebe ich das Brot in den Ofen und mache dann den Abwasch.

Danach lese mein aktuelles Buch fertig, damit ich es später mit zur Bücherhalle nehmen kann. Zwischendurch mal wieder stillen und Babyschuckeln. Sie schläft auf mir. Um halb eins lege ich sie in den Kinderwagen und hole das Brot aus dem Ofen und stecke eine schwäbische Lasagne hinein. Der Mann isst heute Camembert.

Nach dem Mittagessen beschäftige ich mich mit den Geburtskarten. Leider muss ich feststellen, dass ich überhaupt kein passendes Bild vom Baby im Querformat habe. Also muss das noch etwas warten. Um halb zwei wecken wir mal das Baby. Sie muss gewickelt werden und ich möchte sie nochmal stillen, bevor wir zur Kita marschieren. Das klappt auch alles ganz gut.

Auf dem Weg zur Kita mache ich einen Umweg zum Briefkasten und bin dann relativ pünktlich um 14 Uhr in der Kita. Das Kind ist draußen und spielt im Sandkasten. Sie sieht mich erst nicht, kommt aber dann begeistert zu mir. Wir gehen in den Umkleideraum der großen Kinder. Seit Ende der Schließzeit gehört das große Kind zum Kindergarten und nicht mehr zu Krippe und nun ist sie auch im entsprechenden Umkleideraum. Die stellvertretende Leiterin kommt vorbei und bewundert das Baby.

Dann gehen wir los zur Bücherhalle. Dort ist das Kind eher an den bunten Hockern interessiert. Sie stellt alle hübsch zusammen und erklärt mir dann, wer wo sitzt. Zwischendurch kann ich noch ein paar Bücher für mich aussuchen. Dann wird das Baby wach. Mit ihr auf dem Arm sehe ich mir die Kinderbücher an und überlege, welche wir mitnehmen könnten. Leider ist die Auswahl in dieser Bücherhalle nicht besonders groß. Das Kind fummelt weiter an den Hockern herum. Ich finde das Bild ganz schön und möchte ein Foto machen. Nun ist das Kind dringend am Handy interessiert und möchte selber fotografieren. Irgendwann kann ich es ihr wieder abluchsen und mit ihr Bücher aussuchen.

Dann gehen wir zur Ausleihe, nicht ohne die übliche Diskussion, dass sie jetzt noch nicht auf das Buggyboard steigen kann und das wir die Bücher auch erstmal ausleihen müssen, bevor sie sie einpacken kann. Sie sieht es schließlich ein.

Auf dem Weg zum Bus klettert sie erstmal noch auf ein paar Bänken herum, aber 15 Uhr etwa kommen wir doch zu Hause an, wo der Mann die Tür öffnet.

Das Baby schläft weiterhin im Kinderwagen, das große Kind darf iPad gucken. Nach dem Händewaschen! Erneute Diskussionen.

Schließlich fragt der Mann, ob wir Eis möchten und bereitet es in zwei Schüsseln vor. Leider in zwei unterschiedlichen Schüsseln. Das Kind macht einen riesen Aufstand, weil sie gerne meine Schüssel möchte. Es könnte auch mit der etwas größeren Eismenge zu tun haben, aber eigentlich ist der Unterschied marginal. Schließlich lasse ich mich erweichen und tausche mit ihr. Nach zwei Löffeln will sie zurücktauschen und macht einen erneuten Aufstand, aber meine Geduld ist am Ende. Ich gehe auf die Terrasse und esse mein Eis zu Ende. Sie folgt mir und tut es mir ohne größere Probleme nach.

Dann fängt sie an, im Sandkasten zu spielen. Mir fällt auf, dass der fünfte ist, hole den Laptop und beginne diesen Beitrag.

Es ist jetzt 16:24. Das Baby schläft immer noch.

Um zehn vor fünf wacht sie doch mal auf. Ich stille, wickle, stille. Das große Kind matscht unterdessen mit Sand und Wasser herum. Ich muss sie mal wieder davon abhalten, das Regenwasser zu trinken. Kurz darauf kommt der Mann vom Friseur wieder.

Wir diskutieren darüber, was wir aus dem Garten alles entfernt haben möchte und machen eine kleine Begehung. Mal wieder.
Später legt er das Baby auf die Decke, die wir am Tag zuvor von Freunden geschenkt bekommen haben. Prompt kotzt sie darauf. Nun, ist die also auch schon markiert. Ich nutze die Gelegenheit und mache endlich ein passendes Foto von ihr. Später nehme ich auch noch die große Kamera und fotografiere sie mit dem Papa.

Um kurz nach sechs decken wir den Tisch und essen zu Abend. Der Mann schuckelt weiter das Baby. Das große Kind hat mal wieder nur Blödsinn im Kopf und alle ihre Manieren vergessen. Irgendwann platzt dem Mann der Kragen und er bringt sie eine halbe Stunde vor ihrer Zeit nach oben. Er kommt nach dem Zähneputzen aber nochmal runter und deckt den Tisch ab. Dann will er das Kind ins Bett bringen, die ist aber nicht erfreut, dass sie mir nicht richtig Gute Nacht sagen konnte. Also gehe ich auch hoch, stopfe sie noch in ihren Schlafanzug und fülle frisches Wasser in ihren Trinkbecher.
Dann gehe ich runter und gehe mit dem Baby umher, das nicht so ganz zufrieden ist.

Um zwanzig nach sieben kommt der Mann runter, das Kind schläft.
Er macht den Fernseher an und nimmt mir das Baby ab.

Ich lade die neuesten Fotos in die Dropbox und aktualisiere diesen Beitrag.

Das Baby ist ziemlich unglücklich, ich werde wohl bald mit ihr nach oben gehen müssen. Ich hoffe, sie wird nicht zu spät schlafen.

Also schon mal: Gute Nacht!

Die Zeit verfliegt!

Bei uns ist übrigens alles in Ordnung! Auch wenn das Baby sehr entspannt ist, man kommt doch selten mal zu etwas.

Morgen ist unsere kleine Tochter schon drei Wochen bei uns und man fragt sich wieder mal: Wie war es eigentlich vorher?

Allerdings, ganz im Alltag sind wir dank des Urlaubs vom Mann noch nicht angekommen. Die Kita hat aber zum Glück schon wieder angefangen. Wobei das große Kind diese Veränderung bisher erstaunlich gut und eifersuchtsfrei aufgenommen hat. Ich klopfe auf Holz und hoffe, dass es so bleibt!

Unterdessen feiern der Mann und ich heute unseren fünften Hochzeitstag und fragen uns, wo die Zeit nur geblieben ist? Und staunen, was in den fünf Jahren alles passiert ist! Fast nur Gutes, die nächsten fünf Jahre dürfen dann gerne genauso werden! <3

Drei Tage ohne Kind – Die Zeit nach der Geburt

Nun lag ich da also im Kreißsaal. Es war früher Morgen, ich bekam Frühstück und danach ein paar Schmerzmittel, denn die Betäubung hatte eindeutig nachgelassen.

Nur war ich allein. Das Baby mehrere Kilometer von mir entfernt. Aber der Mann war ja bei ihr. Es würde schon alles gut werden.

Gegen halb acht wurde ich in ein Zimmer auf der Wochenbettstation gebracht, zu einer sehr netten Mutter, die ebenfalls ihre zweite Tochter bekommen hatte. Wir stellten bald fest, dass wir auch noch weitere Gemeinsamkeiten hatten. Sie wurde allerdings noch am selben Tag entlassen, was ich durchaus bedauerte.

Man kümmerte sich die ganze Zeit hervorragend um mich. Das erstreckt sich über den gesamten Krankenhausaufenthalt. Alle Schwestern/Hebammen/Ärztinnen waren unwahrscheinlich lieb und aufmerksam. Natürlich war ich in einer besonderen Situation. Eindeutig nicht mehr schwanger, aber eben auch ohne Kind im Babybay, wie die ganzen anderen Mütter.

Doch noch etwas war anders. Es ging mir viel besser als nach dem ersten Kaiserschnitt. Eigentlich total unwahrscheinlich, denn ich hatte diese harte Nacht hinter mir, einen ungeplanten Kaiserschnitt, der kurz vor Not-KS war und überhaupt war es ja schon mein zweiter.

Aber nein. Um Mittag musste ich mal aufs Klo und klingelte nach der Schwester. Und konnte, mit ihrer Hilfe, tatsächlich aufstehen und über den Gang aufs Klo gehen. Natürlich tat es weh, aber es war kein Vergleich zu den brennenden, fast unerträglichen Schmerzen nach dem ersten KS. Die Schwester war auch recht beeindruckt.

Eine Stunde nachdem ich ins Zimmer verlegt worden war, bekam ich übrigens das erste Bild von unserer Tochter. Schlafend im Bett, intubiert, mit einer kleinen Strickmütze auf dem Kopf. Es nahm mich tatsächlich gar nicht so mit, denn darunter standen auch die Maße. Nachdem unser erstes Kind ein schmaler kleiner Winzling war, hatte unser zweites tatsächlich 3515 Gramm und offizielle 57 Zentimeter!! Besonders über die Länge kam ich kaum hinweg. Die mussten sich doch vermessen haben? So ein Riesenkind?

Für den Vormittag hatten sich meine Mutter, meine Schwiegermutter und das Kind angekündigt. Um viertel vor elf waren sie dann auch da. Das Kind war zunächst schüchtern und skeptisch, weil ich im Bett lag. Und überhaupt, wo war das Baby? Schließlich taute sie aber auf und befragte mich zu den Zugang in meiner Hand: „Hast du da ein Loch?“

Meine Mutter und Schwiegermutter wussten die Maße des Babys noch gar nicht und staunten genau wie ich.
Sie verabschiedeten sich bald.
Nachmittags kam der Mann nochmal vorbei, brachte mir einige fehlende Dinge und erzählte mir das neueste vom Baby. Er ging sehr in seiner Rolle als am Bett wachender Vater auf. <3

Abends brachte mir eine Schwester eine elektrische Milchpumpe. Eine meiner größten Sorge war ja: Wie würde es wohl mit dem Stillen gehen? Mir wurde geraten, alle drei Stunden zu pumpen und nachts, wenn ich halt mal aufwachen würde. Diesmal hatte ich ja immerhin den Vorteil, dass ich Wehen gehabt hatte. Mein Körper war also besser vorbereitet, als das letzte Mal.
Das Pumpen ergab zunächst nichts, aber ich stand ja noch ganz am Anfang.

Außerdem ging ich duschen. Es war noch recht unangenehm, aber nötig. Ich fühlte mich ziemlich verschwitzt und da klebte ja auch noch das ganze Jodzeug von der OP an mir. Danach zog mir die Schwester den Zugang aus dem Handrücken.

Die Nacht war ruhig. Ich war alleine im Zimmer und schlief ganz gut.

Für den nächsten Tag hatte ich direkt große Pläne. Das Frühstück brachte mir die Schwester ins Zimmer.
Später kamen dann der Mann und das Kind vorbei, um mich abzuholen. Ich wollte das Baby besuchen. Man hatte mir am Tag zuvor gesagt, dass ich zu diesem Zweck eine Beurlaubung für einige Stunden haben könnte.

So machten wir es dann auch. Ich schlich vor mich hin, auf dem Weg zum Ausgang und später zum Kinderkrankenhaus. Trotzdem staunte ich über mich selber, wie gut es ging. Das große Kind kriegte einen Anfall, als sie ins Auto steigen sollte, aber sonst ging es gut.

Auf der Intensivstation angekommen hieß es alles wegschließen, Hände waschen und desinfizieren. Der Mann kannte sich ja schon aus.

Endlich konnte ich mein Baby sehen! Die Beatmung war am frühen Morgen schon weggekommen und sie hatte nur noch den Schlauch für die Magensonde in der Nase. Die Schwester teilte uns mit, man sei sehr zufrieden mit ihr. Ob ich sie halten wollte? Natürlich!

Ich durfte mich hinsetzen und bekam sie auf den Arm. Als sie sofort anfing, wie wild an meinem Finger zu saugen, fragte ich nach, ob ich sie anlegen dürfte. Das durfte ich selbstverständlich und so hatte ich etwa 30 Stunden nach der Geburt zum ersten Mal mein Baby an der Brust. Sie wusste sofort, was zu tun war, was mich zu der Aussage: "Trinken und Kacken, das können meine Kinder!" veranlasste. Das Kindspech hatte die Kleine nämlich auch schon ziemlich flott ausgeschieden.

Das Kind war übrigens sehr beeindruckt von ihrer kleinen Schwester. Sie wollte sie direkt streicheln, auf den Arm und mit nach Hause nehmen. Na gut, das würde leider noch unbestimmte Zeit lang dauern.

Der Mann brachte dann schnell das Kind nach Hause, während ich weiter mit dem Baby da saß. Es war allerdings ziemlich anstrengend, auch weil die Nachwehen vom Stillen nicht ganz ohne waren und so war ich trotz allem froh, als er wieder da war und mich zurück ins Krankenhaus brachte.

Dort hatte man mir netterweise mein Mittagessen aufbewahrt.
Außerdem bekam ich eine neue ZImmernachbarin, eine noch schwangere Türkin mit einem sehr alten Freund. Sie war ziemlich nett und auch ziemlich redselig. Sie hatte einen Blasensprung gehabt, doch die Wehen ließen auf sich warten. Nun sollte sie eingeleitet werden.

Nachmittags kam dann wieder meine gesamte Familie. Wir trafen uns aber im Bistro. Sie wollten später dann ins Kinderkrankenhaus, um die Kleine selbst in Augenschein zu nehmen. Natürlich nicht alle auf einmal.

Das Abpumpen ergab nun statt einigen Tröpfchen immerhin etwa anderthalb Milliliter.

In der Nacht bekam ich nicht so viel Schlaf, da nun doch die Wehen bei meiner Nachbarin eingesetzt hatten. Sie lag irgendwann "Hilfe, Hilfe!" wimmernd im Bett und ich kam mir selbst recht hilflos vor. Der Kreißsaal war informiert, aber irgendwie schienen die das nicht so recht ernst zu nehmen. Bis sie meinte: "Ich spüre den Kopf! Das Baby kommt!"
Da bin ich aber hurtig in den Kreißsaal gegangen und habe die Hebamme geholt (zufälligerweise dieselbe wie mir), denn das wurde mir nun doch zu heiß.
Tatsächlich bekam sie ziemlich genau eine Stunde (und auch ziemlich genau 24 Stunden nach mir) ihren Sohn. Ein bisschen fraß der Neid an mir, dass sowas auch in ganz unkompliziert geht. Aber was sollte ich machen?

Da ich eh wach war, hab ich noch ein bisschen gepumpt, aber nicht wirklich was zustande gebracht.

Am nächsten Tag waren wir also alle ziemlich müde und ich musste mich ein bisschen über meine Nachbarin wundern, die es nicht normal fand, dass ihr frischgepresster Sohn nicht alleine in seinem Bettchen liegen wollte.

Diesmal holten Mann und Kind mich nach dem Mittagessen ab. Ich konnte nun schon deutlich besser laufen. Am nächsten Tag wollte ich entlassen werden und hatte das auch mit den Schwestern besprochen. Ich war allerdings unsicher. Sollte ich nach Hause gehen, was eigentlich am meisten meinem Gefühl entsprach oder mich als Begleitperson ins Kkh einweisen?
Die Intensivschwester riet mir, lieber nach Hause zu gehen. Dort hätte ich mehr Ruhe und so gemütlich seien die Zimmer für die Eltern im Kkh wirklich nicht.

Eine Prognose zur Entlassung des Babys gab es zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Frühestens Mittwoch hieß es. Sie müsse 48 Stunden alles ohne Hilfe und Abfälle, also atmen, essen u.ä., schaffen. Na gut, es war jedenfalls absehbar. Alle waren sehr zufrieden mit der Entwicklung der Kleinen. Die Beatmung war noch am Tag zuvor komplett weggekommen und, wie ich nun sehen konnte, auch die Magensonde.

Ich durfte sie wieder anlegen, was zunächst nicht ganz so gut klappte. Der Mann ging nach einigen Minuten mit dem aufgeregten großen Kind auf den Spielplatz und was essen.

Gegen 17 Uhr verabschiedete ich mich wieder. Auf dem Rückweg standen wir fürchterlich im Stau und ich hatte Angst, nichts mehr vom Abendbrot mitzubekommen. Es hat aber doch noch geklappt. Während ich da so saß und mich mit einer anderen Mutter unterhielt, kam die zuständige Hebamme und fragte mich, ob ich wünsche, dass meine Zimmernachbarin verlegt würde. Normalerweise würden sie nämlich nur Mütter mit Babys zusammenlegen und eben Frauen ohne Babys. Ich fand meine Zimmernachbarin ja ganz nett, aber Schlaf fand ich noch viel netter. Ich meinte also, wenn es hinhauen würde, fände ich eine Verlegung so schlecht nicht. Aber wenn es doch nicht gehen würde, dann wäre das eben so.

Es ging tatsächlich, nachts hatte ich also meine Ruhe. Mit Schlaf war es trotzdem nicht so weit her. Das Anlegen des Babys hatte jetzt ordentlich was bewirkt. Das Abpumpen ergab zwar immer nur etwa zehn Milliliter, aber ich war voll im Milcheinschuss. Auf dem Rücken liege fand ich nach wie vor unangenehm und auf der Seite liegen ging wegen der vollen Brüste nicht. Juchhu!
Daher fiel es mir dann auch nicht so schwer, nachts um halb drei zum Pumpen aufzustehen. Diesmal im Stillzimmer, "meine" Pumpe hatte man mir entführt. Es war recht voll auf der Station und alles wurde benötigt.
Leider gab es auch jetzt kaum Erleichterung. Die Schwestern meinten, das nächste Mal würden wir ordentlich Wärme drauf packen, dann würde alles besser fließen.

Aber dazu sollte es nicht mehr kommen. Am nächsten Tag stand meine Entlassung an, wobei ich damit kaum vor Mittag rechnete. Beim Zähne putzen sinnierte ich darüber, wie toll es wäre, wenn das Baby tatsächlich schon am nächsten Tag entlassen würde.
Kaum hatte ich den letzten Schaum ausgespuckt, rief der Mann an. Mit der schönsten Nachricht: Das Baby würde am selben Tag entlassen werden. Sie hatte sich so gut entwickelt, dass man sie guten Gewissens nach Hause gehen lassen würde.

Ich grinste über das ganze Gesicht und ging sofort zum Pflegestützpunkt, wo zufälligerweise auch die beiden Ärzte am Start waren, die mich operiert hatten. Natürlich freuten sich alle sehr für mich.

Der Rest ging dann auch schnell. Es gab eine kurze Abschlussuntersuchung, ein paar Ermahnungen, noch ein paar Tabletten, außerdem die letzten vier Anti-Thrombose-Spritzen, die ich mir zu Hause setzen sollte. Bäh!

Um elf etwa kam der Mann an. Wir nahmen mein Zeug, holten noch rasch die Spritzen mit dem Abgepumpten ab und ich verabschiedete mich dankbar von den Schwestern und Hebammen.

Auf zum Kinderkrankenhaus. Gegen zwölf standen wir am Bett der Kleinen, die tief und fest schlief. Die Schwester kam und teilte uns mit, dass die U2 wohl frühestens um halb zwei statt finden würde. Am besten würden wir erstmal essen gehen. Gut, in Ordnung. Um 13 Uhr waren wir wieder auf der Station, wo wir das Kind wecken durften. Sie hatte zuletzt um 9 Uhr eine Flasche gehabt, sie würde sowieso bald wach werden. Dann kam die Ärztin und erzählte uns nochmal einiges und führte dann die U2 durch. Ein bisschen schlapp war die Kleine noch, aber alles im Rahmen. Dann zum ersten Mal in eigene Sachen kleiden, was heute schon viel besser ging. Am Tag zuvor hatte ich mich noch angestellt, als würde ich das zum ersten Mal machen. Man verlernt das echt schnell.

Endlich konnte ich sie anlegen. Das wurde aber auch Zeit! Sie trank fleißig, dann verabschiedeten wir uns erneut von den netten Schwestern, legten das Kind in den Autositz und konnten endlich heimfahren!

Zu Hause war niemand, da meine Eltern das große Kind auf einen Ausflug mitgenommen hatten. Das war sehr angenehm, so konnten wir in Ruhe ankommen. Endlich daheim!

Fazit: Auch wenn die Geburt und die erste Zeit im Krankenhaus so völlig anders verliefen als gedacht und erhofft, habe ich alles erstaunlich gut verkraftet. Die einzigen Tränen flossen kurz nach der Geburt, als das Baby abtransportiert wurde. Im Krankenhaus wurde ich ganz wunderbar umsorgt und auch wenn wir garantiert kein drittes Kind planen und dieses KH keine Kinderstation hat, ich würde wieder dorthin gehen! Was ich vom Krankenhaus, in dem das große Kind auf die Welt kam, nicht behaupten kann.

Auch körperlich ging es mir wider Erwarten die ganze Zeit gut. Natürlich hatte ich Schmerzen, aber ich war vom ersten Moment an deutlich beweglicher und fitter als nach dem ersten Kaiserschnitt, obwohl die Voraussetzungen meines Erachtens viel schlechter waren. Eine Re-Sectio nach vorangegangenen strapaziösen Wehen, eine um drei Wochen längere Schwangerschaft, ein viel größeres Kind und die zerstörte Hoffnung auf die ersehnte Spontangeburt.

Überhaupt, wie geht es mir, nachdem diese Hoffnung nun endgültig begraben wurde? Die meiste Zeit gut. Ich habe festgestellt, dass eine Spontangeburt ganz offensichtlich nichts für mich ist. Die Geburt durfte von selbst losgehen, ich durfte Wehen haben. Ich möchte nie wieder welche.

Nicht zu vernachlässigen ist, so fies auch irgendwie klingt: Dass ich mich in diesen drei Tagen der Trennung die meiste Zeit nur um mich selbst kümmern musste und mich erholen konnte, hat sicher ihren Teil zu meinem Wohlbefinden beigetragen. Die ersten Nächte damals im Krankenhaus mit dem schreienden Kind, während ich unter Schmerzen litt, sind mir in bleibender negativer Erinnerung.

Das Baby selbst zeigt bisher keine Nachwirkungen. Die ersten Tage bestanden aus Dauerstillen, kuscheln und zwischendurch viel schlafen. Sie ist sehr entspannt, liebt natürlich Körperkontakt, den sie dank Oma und Opa auch zunächst wirklich die meiste Zeit hatte. Das Stillen klappt auch problemlos.

Abschließend bleibt mir noch der Gedanke, den ich recht bald nach der Geburt hatte: Ohne die moderne (Geburts-)Medizin hätte ich höchstwahrscheinlich keine zwei gesunden Kinder. Sondern null.

Ich bin dankbar!

Es kommt doch immer anders – Wie unsere zweite Tochter geboren wurde 

Die Schwangerschaft habe ich ja relativ ausführlich festgehalten, auch mein Erstaunen darüber, dass ich tatsächlich bis zum Termin und letztlich sogar deutlich darüber gekommen bin. 

Die Wartezeit hat ziemlich an meinen Nerven gezerrt. Zum Glück ging es mir die ganze Zeit gut, aber die Angst, es könnte nicht von alleine los gehen, blieb. 

Ich beginne am 9.8., bei 40+3. Dieses Datum war mein favorisiertes Datum und tatsächlich wachte ich an dem Tag gegen fünf Uhr mit menstrustionsartigen Schmerzen auf. Das war neu und ich voller Hoffnung. Praktischerweise hatte der Mann frei, da ich nachmittags wieder zur Vorsorge musste und das Kind ungerne mitnehmen wollte. Meine Schwiegermutter hatte selbst einen Termin.

Ich fühlte ein wenig in mich hinein, aber so richtig tat sich nichts. Der Mann brachte das Kind in die Kita, dann fuhren wir einkaufen. Sicherheitshalber nahm ich ein Handtuch mit. Das Umhergehen in dem Laden veränderte den Schmerz zu eindeutig differenzierbaren Wehen. Noch nicht sehr stark, aber eindeutig vorhanden. Ich begann sie zu tracken und sagte meiner Schwiegermutter, die wir zum Einkaufen mitgenommen hatten, Bescheid.

Zuhause räumten wir die Einkäufe ein und der Mann holte meinen Koffer aus dem Schlafzimmer. Die Abstände der Wehen lagen teilweise nur bei etwa 4 Minuten, doch sie waren recht kurz und auch noch nicht sehr stark. Ich hatte plötzlich ziemlichen Hunger, also bereiteten wir das Essen zu und aßen schon gegen halb zwölf zu Mittag. Mit dem Essen verschwanden die Wehen.

Wir besprachen, dass der Mann wie geplant das Kind aus der Kita holen sollte und wir dann alle zusammen in die Stadt zu meiner Frauenärztin fahren würden. Alleine wollte ich nicht los, da hatte ich kein gutes Gefühl bei.

Gesagt, getan. Ich teilte meinen Eltern, die am Morgen losgefahren waren, mit, dass wir unterwegs seien und wo der Haustürschlüssel liegen würde.

Bei der Vorsorge war alles soweit in Ordnung. Das CTG zeigte zwei eindeutige Wehen und auch, dass das Baby sich davon nicht besonders beeindrucken ließ. Die Tastuntersuchung ergab leider nur einen ziemlich unreifen Befund, Muttermund weiterhin hinten und zu. Meine Ärztin war jedoch optimistisch, dass wir uns nicht mehr sehen würden. Ich solle mal ordentlich spazieren gehen und nachts versuchen Kraft zu tanken.

Es ergab sich aber weiter nichts. Am Donnerstag hab ich die Wehenapp nicht einmal aufgerufen, trotz Treppensteigen und Gartenarbeit. Lediglich der Schleimpropf verabschiedete sich.

Dann kam der Freitagmorgen. Ab etwa drei Uhr war ich wach. Und hatte Wehen. Diesmal etwas eindrücklichere, aber immer noch nicht sonderlich lang oder stark. Ich stand auf, um das Ganze etwas mehr in Gang zu bringen. Als ich einige Zeit später aufs Klo ging, entdeckte ich etwas frisches Blut. Und beschloss, ab in die Klinik. Ich weckte den Mann, der noch rasch duschen ging und sagte meiner Mutter Bescheid, die sich daraufhin in mein Bett legte.

Ich rief noch rasch im Kreißsaal an und gegen fünf Uhr waren wir auf wunderbar freien Straßen unterwegs.
Im Kreißsaal wurde ein Aufnahme-CTG geschrieben. Ich hatte weiterhin Wehen und war voller Hoffnung. Leider war die zuständige Hebamme nicht ganz so optimistisch. Die Wehen waren zu kurz, selten länger als 30 Sekunden und auch noch zu selten. Auch die Tastuntersuchung ergab einen weiterhin geschlossenen Muttermund. Wir sollten wieder nach Hause fahren und wieder kommen, wenn die Wehen etwa eine Minute lang wären und mindestens alle fünf Minuten kämen.

Naaa gut. Reichlich desillusioniert fuhren wir nach Hause. Ich schickte den Mann arbeiten und legte mich noch eine halbe Stunde hin, bevor ich was frühstückte. Meine Eltern waren natürlich auch ziemlich irritiert, dass wir auf einmal wieder da waren.

Gegen halb zehn sagte ich, mit dem quatschenden großen Kind am Bein, meinen Vorsorgetermin, der um elf Uhr gewesen wäre, ab. Ich sah keinen Grund, hinzugehen, CTG und Untersuchung hatte ich ja nun schon gehabt. Die Sprechstundehilfe versicherte mir, ich könne mich jederzeit melden und sie würden alle Daumen drücken. Ich hab wirklich die beste Praxis der Welt!

Ich hatte übrigens keine Wehen mehr. Und psychisch ging es nun auch bergab. Ich war ziemlich verzweifelt, lag weinend auf dem Sofa, als ich allein war und fragte mich, wie lange das wohl so weitergehen sollte. Zumal nun auch das Wochenende vor der Tür stand. Schon bereute ich es, den Vorsorgetermin abgesagt zu haben. Aber was hätte meine Frauenärztin machen sollen? Sie kann ja auch nicht zaubern.

Meine Mutter und auch eine Freundin rieten mir, doch wenigstens mal mit meiner Frauenärztin zu telefonieren, vielleicht konnte die mir was raten. Das tat ich dann auch und erfuhr, dass ab sieben Tage über ET die Verantwortung sowieso ans Krankenhaus abgeben würde, in meinem Fall am Sonntag und dass ich auf jeden Fall zwei Tage später ins Krankenhaus zur Vorsorge müsste, um den Rhythmus zu erhalten. Sie wunderte sich sehr, dass ich immer noch ohne Baby rumsaß und wünschte mir natürlich alles Gute.

Nach dem Telefonat ging es mir deutlich besser. Den Rest des Tages passierte nicht viel. Ich hatte einzelne Wehen, aber nichts aufregendes.

Gegen halb sieben fand ich, ich müsste mal raus. Es hatte fast den ganzen Tag geregnet, nun wurde es doch mal Zeit für frische Luft. Der Mann machte dem Kind Abendessen, sonst hatte noch keiner wirklich Hunger. Meine Mutter ging mit mir.

Und das war irgendwie der Startschuss. Wir waren eine gute halbe Stunde unterwegs und in der Zeit musste ich etwa alle zehn bis zwanzig Meter stehen bleiben und eime Wehe veratmen. Außerdem spürte ich mit der Zeit, dass etwas flüssiges aus mir herauslief und ich machte mir große Hoffnungen, dass es Fruchtwasser sein könnte. Um 20 nach sieben waren wir wieder daheim und ich ging sofort aufs Klo. Dort wurden die Wehen nochmal etwas nachdrücklicher. Ob die Flüssigkeit wirklich Fruchtwasser war, konnte ich nicht so recht erkennen, aber da auch wieder etwas frisches Blut zu sehen war, beschloss ich, dass das ausreichend war, um ins Krankenhaus zu fahren.

Vorher wollte ich noch was zu Abend essen. Der Mann brachte grade das große Kind ins Bett, auf den musste ich sowieso warten. Beim Abendessen gab es noch ein paar hübsche Wehen, aber auch die waren wieder nicht sonderlich lang, trotzdem konnte ich es allmählich kaum erwarten, loszukommen. Der Mann war immer noch nicht wieder am Start. Meine Mutter holte schon mal meinen Kulturbeutel. Schließlich ging ich selbst hoch, erstmal aufs Klo. Dann kam der Mann doch aus dem Kinderzimmer. Wo das Kind leider noch nicht schlief. Ich sagte ihm Bescheid, dass ich los wollte und brachte das Kind runter zu meinen Eltern. Wir erklärten ihr, dass ihre kleine Schwester auf die Welt kommen wollte. Wir verabschiedeten uns und fuhren um kurz vor acht los. Im Auto rief ich den Kreißsaal an, wir sollten vorbeikommen.

Dort empfing uns eine Hebamme, die mir deutlich sympathischer war, als die vom Morgen. Sie befragte mich nach dem potentiellen Fruchtwasserabgang und untersuchte mich auch direkt. Der Muttermund war fingerdurchlässig und der Gebärmutterhals hatte sich deutlich verkürzt. Immerhin. Dann ging ich nochmal aufs Klo, bekam eine frische Vorlage und wurde ans CTG angeschlossen.

Selbiges wurde dann über eine Stunde geschrieben, da dann auch noch Schichtwechsel und Übergabe war. Ich stand die meiste Zeit, weil ich fürchtete, im Liegen könnten die Wehen weggehen. Tatsächlich wurden sie in dieser Zeit stärker, so dass ich nicht veratmete, sondern anfing, sie zu vertönen. Schließlich kam eine andere Hebamme. Sie machte mich vom CTG ab und bat mich um meine Vorlage, die sie auf Fruchtwasser untersuchte. Mit dem Ergebnis, dass das wohl alles mögliche war, aber kein Fruchtwasser.

Sie meinte, sie sei etwas ratlos, was sie mit mir machen sollte. Ich war eindeutig noch nicht unter Geburt und die Wehen nach wie vor zu kurz und zu ineffektiv. Wenn ich wollte, könnte ich wieder nach Hause fahren. Das kam für mich eindeutig nicht in Frage, schon allein, weil wir gute 20 Minuten mit dem Auto brauchen und das auch nur bei guter Verkehrslage. Außerdem hatte ich mittlerweile echt Schmerzen.

Sie bot mir an, ich könnte also erstmal ein Bett haben und ein Schmerzmittel, das würde vielleicht alles etwas entspannen. Das klang für mich sehr erstrebenswert. Ich wurde also in einen Raum direkt neben dem Kreißsaal geführt. Dort legte ich mich aufs Bett und bekam eine ziemlich fiese Opiatspritze in den Po. Die machte mich ziemlich wirr, aber es schien zu helfen. Der Mann holte mir Wasser und legte mir alles nötige parat, dann schickte ich ihn nach Hause. Da war es etwa 23 Uhr.

Ab jetzt kommt die wirklich unangenehme Phase der Geburt. Die Spritze half, wie gesagt, aber leider nicht sehr lange. Natürlich waren die Schmerzen nicht weggewesen, aber sie wurden gedämpft. Nach ein oder zwei Stunden, wenn überhaupt, ich weiß es nicht genau, ließ die Wirkung nach und ich wurde mit jeder Wehe immer lauter. Solange ich es noch schaffte, trackte ich die Wehen mit. Sie kamen alle 2-4 Minuten und waren weiterhin zu kurz. Durch das laute Vertönen hatte ich wahnsinnigen Durst und irgendwann raffte ich mich auf, ging aufs Klo und holte mir neues Wasser. Dann ging ich zum Kreißsaal und bat, dass man mir irgendwie helfen möge, so würde ich es nicht lange aushalten. Die Hebamme kam und meinte, allzuviel könnte man jetzt nicht machen. Sie hätte eventuell die Badewanne vorgeschlagen, aber dafür war ich noch zu belämmert von der Spritze. Sie verabreichte mir erstmal zwei Zäpfchen zur Linderung und Krampflösung. Das Ganze blieb ohne Wirkung.

Die nächsten Stunden vergingen in einer Art Nebel. Zwischen den Wehen döste ich weg, um dann aufzuwachen und zu schreien, bis die Wehe wieder weg war. Und dann wieder einzuschlafen. Ich versuchte mir immer wieder klarzumachen, dass ich das ja gewollt hatte, aber das half auch nicht viel und ich wurde immer verzweifelter. Schließlich wusste ich, dass ich noch ganz am Anfang stand. Die 10 cm Muttermund hatte ich ja noch vor mir.

Gegen drei Uhr morgens stand wieder die Hebamme im Zimmer und meinte, wenn es für mich in Ordnung wäre, würde man mir eine PDA legen. So ging es nicht weiter. Normalerweise macht man das nicht so früh, aber hier schien es für sie angeraten zu sein. Ich willigte sofort ein und schaffte es in einer Wehenpause in den Kreißsaal. Ich hätte auch noch den Mann anrufen können, aber ich wollte ihn ungerne wecken. Ich ging nach wie vor davon aus, dass es alles noch lange dauern würde.

An den genauen Hergang im Kreißsaal kann ich mich nicht so recht erinnern, außer, dass die Ärztin schon da war bzw. kurz darauf kam. Ich wurde aufgeklärt und musste unterschreiben. In den Wehenpausen hing ich recht weggetreten auf dem Kreißsaalbett. Das Legen der PDA ging zum Glück problemlos. Die Ärztin spritzte mir eine Testdosis und meinte, die nächste Wehe sollte auf jeden Fall schon gedämpft sein. Dem war dann auch so. Ich wurde auch noch untersucht und siehe da, der Muttermund war immerhin 3 cm offen.

Ich war natürlich auch wieder ans CTG angeschlossen worden, woran ich mich gar nicht erinnern kann, aber plötzlich wurde die Hebamme irgendwie besorgt. Die Herztöne waren nicht so ganz, wie sie sein sollten. Ich musste mich auf die Seite legen und tief in den Bauch atmen. Das half nix. Ich war nicht besonders beunruhigt, aber die Damen um mich offenbar schon. Auch unter diversen wehenhemmenden Mitteln erholten sich die Herztöne nicht.

Die Ärztin, die die ganze Zeit an meiner Seite gesessen hatte, teilte mir freundlich mit, dass das Baby offenbar Probleme habe und jetzt doch sehr zeitnah raus müsse. Ob das Kaiserschnitt bedeute und wie viel Zeit ich noch hätte, fragte ich nach.
Denn ich wollte schon ganz gerne den Mann dabei haben. Wie lange er zum Krankenhaus bräuchte? 20 Minuten, meinte ich.
Das würde knapp, aber ich sollte ihn auf jeden Fall anrufen.

Man brachte mir mein Handy und um halb fünf rief ich den Mann an und sagte, dass er sofort losfahren sollte, man wolle einen Kaiserschnitt machen.

Als das erledigt war, bekam ich den „Scheiß-egal-Schnaps“, den man vor OPs immer kriegt. Ich fand ihn lecker. So irritiert man Leute.

Dann ging es ab in die Operationsabteilung, ein Stockwerk tiefer. Ich fand das alles wahnsinnig spannend, auch wenn ich sicher nur die Hälfte mitkriegte. Ich wurde umgelagert und in den OP-Saal gebracht, wo ich mich dann auf die Liege setzen sollte. Das kannte ich ja schon. Man teilte mir mit, es gäbe genau einen Versuch, die spinale Anästhesie zu legen, ansonsten müsste man mich leider vollnarkotisieren. Zum Glück klappte alles auf Anhieb. Die PDA wurde gezogen und die Spinale gelegt. Die wirkte auch sofort. Es wurde nochmal mit dem Dopton gecheckt, was das Baby machte. Ich war sehr erleichtert, weiterhin die Herztöne zu hören.

Dann ging es auch schon los. Der Mann war leider noch nicht da, aber darauf konnte keine Rücksicht genommen werden. Nun gut. Während der OP rutschte mir immer mal wieder Kreislauf weg und ich lag da und sagte immer nur: „Hallo. Hallo?“ und dann hatte ich auch noch das Gefühl, mich übergeben zu müssen. Seufz.

Endlich hieß es: „Sie ist da. Sehr niedlich. Das war in letzter Minute!“ Ich hörte nur leises Quäken und dann bekam ich sie wider Erwarten auf die Brust gelegt. An der Schläfe hatte sie einen Schnitt, wo man sie versehentlich mit dem Skalpell erwischt hatte. Sie sah ganz anders aus als ihre Schwester. Ich begrüßte sie mit ihrem Namen und fragte dann, ich bin halt ein bisschen bekloppt, um wieviel Uhr sie da gewesen wäre. 4:49 Uhr hieß es. Komische Uhrzeit.

Danach ging es leider etwas bergab. Man nahm mir das Kind voller Bedauern ab, weil man nicht so recht zufrieden mit ihrem Aussehen und ihrem Verhalten war. Mir war nichts aufgefallen. Auf meiner Brust hatte sie ganz normal vor sich hin gequäkt.

Während ich zugenäht und versorgt wurde, teilte man mir mit, dass es dem Kind nicht gut ginge und man bereits die Kinderärzte aus dem Kinderkrankenhaus angefordert habe (tja, wer wollte nicht in ein KH mit Neugeborenenstation?). Eventuell müsste sie sofort verlegt werden und ein, zwei Nächte bleiben.

Die Tragweite war mir zu dem Zeitpunkt noch nicht so recht bewusst. Schließlich war ich fertig und wurde in ein Bett umgelagert und in den Aufwachraum gebracht. Dort traf auch endlich der Mann ein. Der bekam natürlich direkt die schlechten Nachrichten zu hören. Die Kinderärzte waren auch grade eingetroffen.

Kurze Zeit später wurde ich zu ihr gefahren. Sie lag unter einem Tuch und guckte mich mit großen Augen an. Der Mann durfte auch gucken, musste sich aber vorher erst noch entsprechend umziehen.
Dann ging es zurück in den Aufwachraum und es hieß warten. Ich durfte was trinken und nickte immer wieder weg, um beim Aufwachen voller Ungeduld zu fragen, was die denn da drin so ewig machten. Ich machte mir wahnsinnige Sorgen und man versuchte mich zu beruhigen.

Gegen halb sieben schickte ich den Mann los, er sollte mal gucken gehen, aber da kamen sie auch schon. Mit dem Baby im Inkubator, für den Transport vorbereitet.

Sie hätte Atemprobleme und allgemein Anpassungsstörungen und müsste definitiv für ein paar Tage ins Kinderkrankenhaus verlegt werden. Ich konnte noch einen letzten Blick auf sie werfen, kurz winken und dann war sie weg.

In dem Augenblick brach ich in Tränen aus. Die Vorstellung, mein Kind nach den ganzen Strapazen jetzt nicht bei mir zu haben und zwar für längere ungewisse Zeit, war zu viel für mich. Der Mann und die Ärztin, die mich operiert hatte, taten ihr Bestes um mich zu trösten.

Es ließ sich nicht ändern. Gegen sieben Uhr wurde ich in den Kreißsaal gebracht, wo sich die Hebamme von mir verabschiedete. Sie hatte ja auch längst Feierabend. Eine neue Hebamme stellte sich mir vor und versprach, mir etwas zum Frühstück zu bringen. Außerdem würde sicherlich bald die Betäubung nachlassen, dann würde sie mir was gegen die Schmerzen geben.

Der Mann informierte unterdessen seine Mutter und meine Eltern und verabschiedete sich dann Richtung Kinderkrankenhaus. Ich bat ihn dringend um ein Foto von unserer Tochter.

Hier ende ich erstmal. Unser Kind war da, aber wir hatten noch kein Bild und auch immer noch keine Maße. Dabei war ich so neugierig.

Über die Zeit im Krankenhaus schreibe ich dann in einem gesonderten Artikel.