Ich glaube, ich möchte das nicht

Frau Gminggmangg schrieb einen Artikel über nichtreligiöse Erziehung.

Den hatte sie schon lange angekündigt und ich wartete ungeduldig darauf, da mich dieses Thema, auch ohne Kinder, durchaus beschäftigt.

Ich kann meine Situation nicht ganz mit ihr vergleichen.
Ich wurde nicht besonders religiös erzogen, der katholische Kindergarten war zu weit weg, weshalb mein Bruder und ich in einen städtischen kamen. Hin und wieder wurden wir Sonntags zum Gottesdienst geschleppt, wenn Familiengottesdienst war und die Band spielte und wir schöne Lieder sangen, war das ganz nett, ansonsten langweilig. Mit neun ging ich zur Erstkommunion, das fand ich auch ganz schön, wollte aber, im Gegensatz zu den anderen, auf keinen Fall Ministrantin werden. Alle anderen waren ganz scharf drauf, ich konnte das damals schon nicht verstehen.

Ich war im Prinzip nie gläubig. Ich hab das alles mitgemacht, weil es so erwartet wurde. Ich hatte höchstens Schiss, dass mich der Blitz trifft, wenn ich sage Gott gibts nicht. Also hab ich das nie gesagt.
Vor der Kommunion mussten wir beichten. Das war echt schwierig, was will man als Drittklässlerin denn da sagen?
Diesen ganzen Kram, was alles Sünde ist, hab ich erst sehr viel später gelernt, als ich entsprechende Romane las. *schauder*
Dann fiel mir noch auf, dass mir gar kein Brot in die Hände fiel, wenn ich betete „Und unser täglich Brot gib uns heute“. Und damit wars im Prinzip aus mit meinem (kindlichen) Glauben.

Mit 14 hätte ich mich firmen lassen können, aber da hatte ich schon keine Lust mehr drauf. Meine Eltern bestanden auch nicht darauf, sondern waren froh, weil die ganze Feierei und Organsiererei wegfiel.

In der Schule war es auch nicht viel besser. In Baden-Württemberg ist der Religionsunterricht nach katholisch und evangelisch getrennt, dass es auch überkonfessionellen Unterricht gibt, erfuhr ich erst in in Hamburg.
Wir hatten in der Unterstufe einen kleinen dicken unsympathischen Pfarrer, der uns massig Gebete auswendig lernen ließ. Dann fiel der Religionsunterricht mangels Lehrer aus. Was mir bezeichnenderweise erst am Ende des Schuljahres auffiel, als das im Zeugnis stand.
Dann bekamen wir wieder den Pfarrer als Lehrer und ich war ausgesprochen dankbar, dass ich mich endlich endlich vom Relgionsunterricht abmelden und in Ethik gehen konnte. Das war in der 10. Klasse, wenn ich mich recht erinnere.

Das Thema Religion war damit im Prinzip abgehakt.

2010 bin ich schließlich auch aus der Kirche ausgetreten. Nicht (nur) wegen der Kirchensteuer, wie so viele, sondern weil ich mit dem Verein nichts mehr zu tun haben will und wollte.

Nun gibt es da leider ein mittelgroßes Problem, nämlich meinen Mann. Der ist ebenfalls katholisch, wurde als Kind jeden Sonntag in die Kirche geschleppt und hat sich sogar firmen lassen, obwohl er das erst gar nicht wollte. Da hat extra meine Schwiegermutter den Kaplan(?) oder so antanzen lassen, damit der ihn zur Firmung überredet. Was auch immer das sollte.

Nun bin ich ja aus der Kirche ausgetreten. Geheiratet haben wir mittlerweile auch, aber eben „nur“ standesamtlich. Kirchlich wollte ich nie heiraten, das stand schon immer fest.

Jetzt ist es aber des Mannes größter Traum, in der Kirche in Polen, in der seine Eltern geheiratet haben, zu heiraten. Ein scheußliches Ding übrigens, eine Pilgerkirche auf nem Berg, golden und schnörkelig, als wir die mal besichtigt haben, hab ich fast zu viel gekriegt.

Und damit es sich auch lohnt, sollen unsere zukünftigen Kinder auch gleich dort getauft werden. Ein bisschen Schonfrist hab ich also noch.

*seufz*

Das mit der kirchlichen Trauung ist ja noch ok. Eine Ehe besteht aus Kompromissen, und wenn es den Mann glücklich macht, meinetwegen. Auch wenn ich sicher nicht irgendwelche Dinge vor Gott schwören werde. Gott gibt es meines Erachtens nicht, das wäre ja dann glatter Meineid. Mal gucken, ob ich mich da im erzkatholischen Polen durchsetzen kann.

Nun aber, Taufe. Das ist das was mir wirklich Bauchschmerzen bereitet. Ich möchte meine armen unschuldigen Kinder nicht in den Rachen der Mutter Kirche werfen.
Mal abgesehen von den ganzen unnötigen Feierlichkeiten, die ja darauf folgen… meine Kinder sollen selbst entscheiden können, ob und was sie glauben. Und mit einer katholischen Taufe würden sie meines Erachtens schon eine Richtung gedrängt werden.

Da wir so unterschiedliche Vorstellungen von dem Thema haben, wird es zwangsläufig zu Fragen und Diskussionen kommen. Ganz areligiös erziehen wird nicht möglich sein. Leider. Wobei eh die Frage ist: Werde ich es schaffen, Religion nicht direkt zu verurteilen? Mir gibt der Glaube nichts. Wenn überhaupt glaube ich an Mutter Natur oder sowas. Es wird mir schwer fallen, neutrale Antworten auf eventuelle Fragen zu geben.

—-

Was sozusagen ein Trost ist:
1. Der Mann muss das alles organisieren. Er will das unbedingt, also ist es sein Job. Da bleibe ich hart. Mal ganz davon abgesehen: Wen als Paten nehmen? Mein Bruder ist so atheistisch wie ich, der Mann hat nur ne Halbschwester in Polen, die älter ist als seine Mutter. Juchhu.
2. Mit 14 kann man wieder aus der Kirche austreten.
3. In Hamburg gibt es überkonfessionellen Religionsunterricht. Wie der so ist, weiß ich nicht, aber alles ist besser als kleine fette katholische Pfarrer.

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Schühchen

Wer ist der Chef ruft auf, die allerersten Schuhe, so sie denn aufgehoben wurden, im Größenvergleich zu einem aktuellen Paar zu zeigen.

Nun denn, hier meine allerersten Sandalen, damals Gr. 19, zusammen mit meinen aktuellen Alltagsschuhen, Gr. 36.

2013-05-19 11.07.44

Ob es wirklich mein erstes Paar Schuhe überhaupt war, weiß ich ehrlich gesagt nicht, ich meine, ich hätte mit Gr. 18 angefangen. Laufen gelernt hab ich übrigens erst mit 16 Monaten. Ich war schon immer eher Schildkröte. :-D

Wochenend-Schnörpsel

Mein Vater hatte einen runden Geburtstag, wir haben (ziemlich) groß gefeiert mit Gästen, die ich teilweise mehr als 10 Jahre nicht gesehen hatte.

Ich bin abends zuvor elegant die Treppe raufgefallen und war sehr froh, dass mein Rock lang genug war, um mein blaues Knie zu verbergen.

Es heißt zwar „Regen im Mai, April vorbei“, aber das Aprilwetter ist damit nicht unbedingt zu Ende.

200 Gramm Kartoffelsalat pro Person reichen nicht, auch wenn es Saitenwürstle und Brot dazu gibt.

Meine Größe für Kleider ist offenbar oben 36 und unten 38. Das Leben ist hart.

Knapp dreijährige Jungs können so unglaublich niedlich sein.

Wider Erwarten wurde ich nicht gefragt, wann wir endlich Kinder kriegen.

Wir brauchen mal einen neuen Staubsauger. Und einen neuen Balkonkasten für Kräuter.

Und mehr Feiertage. Oder die vorhandenen zumindest besser verteilt.

Wenn die älteste Freundin grade ihre Hochzeit abgesagt hat und nun so gut wie getrennt ist, dann hat man fast ein schlechtes Gewissen, wenn man selbst glücklich verheiratet ist. Sie nimmt das Chaos mit Humor.

Krebs ist ein Arschloch, aber es gibt dankbarerweise auch Leute, die ihn besiegen können und denen man dann kaum was anmerkt.

Depressionen sind ebenfalls Arschlöcher und schwer zu besiegen.

Das verflixte 7. Jahr

haben wir hinter uns.

Heute sind der Mann und ich sieben Jahre ein Paar.

Hätte ich damals, 2006, damit gerechnet? Nein. Ich hatte bis zu dem Zeitpunkt eher kurze Beziehungen gehabt, bei denen die Gefühle auch allzuschnell verschwunden waren. Doch bei diesem Mann blieben sie, bis heute und sind immer noch wunderbar und groß.

Mittlerweile sind wir verheiratet.

Wer weiß, was nächstes Jahr sein wird?