Uneins (18+5)

Als ich im Büro meine Schwangerschaft verkündete, bekam ich von meinem Kollegen, der zwar unser Programmierer ist, aber früher mal irgendwas pädagogisches studiert hat, einen interessanten Rat: Seid euch in der Erziehung immer einig, sonst werdet ihr gegeneinander ausgespielt.

Ich weiß nicht, ob ich das so unterschreiben kann, weder mein Bruder noch ich haben unsere Eltern gegeneinander ausgespielt, was aber sicher vor allem daran lag, dass die Erziehung fast ausschließlich bei unserer Mutter lag. Mein Vater hatte da nicht viel zu melden, er war ja mehr Wochenend-Papa.

Der Rat brachte mich jedoch dazu, mal drüber nachzudenken, wie das wohl bei uns so sein wird.
Bekanntlich sind der Mann und ich ein Paradebeispiel von „Gegensätze ziehen sich an“ und das zeigt sich auch in unseren Gesprächen über unser zukünftiges Leben mit Kind.

Angefangen beim Thema Outing über die Namen und die potentielle Taufe über religiösen Erziehung und „Wann soll das Kind in die Krippe?“ bis hin zu Aufklärung. Ganz zu schweigen von solchen noch weit entfernten Dingen wie Übernachten beim Freund/Freundin.

Tja. Bescheuerterweise machen mir die beiden letzten Punkte am meisten Sorgen. Der Mann hegt da nämlich einige extrem mittelalterliche Ansichten. Unter anderem ist er, verkürzt gesagt, der Meinung, dass frühzeitige Aufklärung (damit meine ich alles zum Thema „Wo kommen die Babys her? „Wie kommen sie da rein/raus?“ „Wie verhindert man Schwangerschaften/Übertragung sexueller Krankheiten?“ „Muss ich etwas machen, was ich nicht will, weil Freund/Freundin das verlangt?“ und zwar sobald diese Fragen auftauchen und nicht erst in der Pubertät) zu Promiskuität führt. Und zu frühen Schwangerschaften. Und zu Sodom und Gomorrha. Dass er da zwar nur Gegenbeispiele für kennt, hält ihn nicht davon ab.

Das Thema kam vor ein paar Jahren auf. Als er mir das erzählte, ist mir alles aus dem Gesicht gefallen und ich habe sehnlichst auf die versteckte Kamera gewartet. Die tauchte leider nicht auf. Es wurde seither nicht mehr erwähnt und allein beim Gedanken daran steigt mein Blutdruck himmelhoch.

Aber bis diese Dinge aktuell werden, vergehen zum Glück noch ein paar Jahre.

Es gibt zum Glück auch ein paar Dinge, über die wir uns einig sind. Den potenziellen Jungennamen, wo ich unser Kind auf die Welt bringen werde, dass gebrauchte Sachen genauso gut sind wie neue, dass wir Pro-Impfen sind, dass der Mann später mal zu den Elternabenden geht (er ist da viel besser geeignet für) und bestimmt noch zwei, drei andere Dinge, die ich im Zuge der Schwangerschaftsdemenz aber vergessen habe.

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