Wie das Überraschungsei auf die Welt kam

Das Kind ist 6 Wochen und 2 Tage alt,

Vor zwei Tagen sah ich über blumenpost den Film Meine Narbe – Ein Schnitt ins Leben. Ein Bericht über das Thema Kaiserschnitt. Zwar aus Österreich, aber sicher nicht weniger relevant.

Ich war entsetzt darüber, wie die Frauen größtenteils behandelt wurden. Es gab sowohl welche mit geplantem Kaiserschnitt als auch mit sekundärem bzw. Notkaiserschnitt.

Interessanterweise saß ich die ganze Zeit da und sagte „Das ist ja grauenhaft“ oder „Oh, wie schrecklich“, ganz so, als ob ich gar keinen Kaiserschnitt gehabt hätte und von dem Thema völlig unbeleckt wäre.

Ein gutes Zeichen meines Erachtens und weil die Geburt unserer Tochter trotz allem tatsächlich ziemlich schön war, will ich das Ganze doch mal aufschreiben.

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Über die Vorgeschichte will ich nicht allzuviel verlieren. Unser Überwachungsei lag ab etwa 10 Wochen vor Termin in Beckenendlage, aus der es sich auch trotz aller Überredungsversuche nicht mehr herausbewegt hat.

Durch das wenige Fruchtwasser und dem sehr dünn geschätzten Kind war das vorderste Ziel bis 37+0 zu kommen. Das hab ich auch geschafft und an dem Tag wurde dann auch der Termin für die OP auf genau eine Woche später, also 38+0 (mein persönliches Ziel, das ich gerne erreichen wollte) gesetzt. Lustigerweise ist der 16.10. genau ein halbes Jahr nach meinem Geburtstag.

Die letzte Woche ohne Kind habe ich mit diversen Besorgungen und angenehmen Dingen wie Kaffeetrinken mit meiner Freundin und einer Rückenmassage verbracht.

An Tag X wurden wir für 6:45 Uhr ins Krankenhaus bestellt. Ich sollte als dritte drankommen. Mir graute etwas vor der Wartezeit, denn ich musste ja nüchtern bleiben. Und ohne Frühstück aus dem Haus kann ich ganz schlecht haben.

Wir sind also mit dem Taxi ins Krankenhaus gefahren und wurden von der Anmeldung in den Kreißsaal und von dort auf die Station geschickt, denn der Kreißsaal war voll. Auf Station wurden wir in ein Einzelzimmer gesteckt. Ich fragte die Schwester nach den Modalitäten für ein Einzelzimmer (die Vorstellung von Nächten mit zwei schreienden Neugeborenen war eher unangenehm). Leider war das Ganze so teuer, dass ich wieder Abstand davon nahm.

Nun hieß es also Warten. Nach einer Weile zog ich meine Schuhe aus (großer Fehler, die haben später das Zimmer nicht verlassen und wurden nicht mehr aufgefunden) und legte mich für ein Nickerchen aufs Bett. Früher als erwartet klopfte es jedoch und ich wurde von einer Schwester samt Bett in den Kreißsaal gefahren. Dort durfte ich mich bis auf die Unterhose aus- und ein schickes
OP-Hemd anziehen. Natürlich fiel mir danach erst ein, dass ich nochmal aufs Klo musste. Aber das Klo war nur einmal über den Flur, das war also nicht so schlimm. Außerdem sollte ich ein weites rotes Schlauchband anziehen, darunter sollte mir später das Kind gelegt werden.

Dann, natürlich, CTG schreiben. Das letzte Mal in dieser Schwangerschaft, irgendwie ein komisches Gefühl. Der Mann und ich lenkten uns mit Twitter und Facebook ab. Ich war allerdings erstaunlich wenig aufgeregt.
Besonders hübsch war, dass unsere zuständige Hebamme einen deutlich schwäbischen Einschlag in ihrer Sprache hatte, worüber wir uns natürlich unterhielten. Das ließ gleich heimatliche Gefühle in mir aufkommen und ich hab mich noch besser gefühlt.

Mir wurde ein Zugang gelegt, am Handgelenk, wozu eine Freundin mir geraten hatte. Das war ein guter Tipp, das Ding hat mich die ganze Zeit tatsächlich kaum gestört. An den Zugang wurde ein Tropf mit Kochsalz und Elektrolyten gelegt, der „im Schuss“ (was deutlich langsamer ist, als ich immer dachte) durchlief.

Übrigens hatte es, als wir ankamen geheißen, ich käme auf jeden Fall erst als dritte dran, denn sie hätten noch einen Notfall, eine andere sei aber nicht aufgetaucht, so ganz kann ich das nicht mehr rekonstruieren. Es würde also sicherlich halb elf, elf werden, bis ich dran sei.

Im Kreißsaal selbst waren wir aber schon gegen acht Uhr. Uns wurde mitgeteilt, dass der Notfall sich verschoben habe und ich als zweite dran käme. Relativ bald danach kam der sehr nette Anästhesist und meinte, es ginge jetzt bald los. Ab da war ich tatsächlich aufgeregt. Ich hatte ja, bis auf eine Weisheitszahn-OP vor 12 Jahren keinerlei OP-Erfahrung und nur eine grobe Vorstellung, was mich erwartete. Was man eben so von Kaiserschnitten aus dem Fernsehen oder aus Berichten weiß.

Der Anästhesist kam wieder und schob mich mit dem Bett aus dem Kreißsaal. Wir kamen aber nicht weit, denn der OP war direkt nebenan. Es ging also nur zur Tür raus und dort direkt um die Ecke. Dann musste ich meine Unterhose ausziehen und in den OP laufen. Der Anästhesist hielt mir derweil das Hemdchen hinten zu. Es gibt sicherlich Leute, die das als demütigend empfunden hätten, ich fand es nur lustig. :)

Nun also: OP-Saal. Ich weiß noch, dass ich diesen Raum sehr irritierend fand. Überall Schränke und Regale, außerdem ein Fenster. Es sah mehr wie ein großer Lagerraum aus.
Ich wurde zur Liege geführt, währenddessen informierte der Anästhesist die vorhandenen Leute über mich und meinen Zugang.
Ich musste mich rittlings auf die Liege setzen und durfte aus dem Fenster schauen. Es war ein ziemlich grauer Tag, wenn ich mich recht entsinne. Mir wurde genau erklärt, was man nun für die Betäubung alles mit mir machen würde.

Ich kann mich leider nicht mehr ganz genau erinnern. Natürlich musste ich einen runden Rücken machen und es wurde an mir herumgetastet und -gedrückt. Außerdem warnte der Anästhesist mich, es würde jetzt kurz sehr kalt werden. Tatsache, es wurde verdammt kalt am Rücken (wahrscheinlich die Desinfektion). Ich zuckte zusammen und machte „Uaaah“, woraufhin er lachend meinte: „Hab ich doch gesagt!“
Dann die lokale Betäubung und die Spinalanästhesie. Alles gut auszuhalten.

Ich musste mich hinlegen, wobei mir wahrscheinlich geholfen wurde, das weiß ich nicht mehr so genau. Über meinen Zugang wurde mir diverses Zeug eingeflößt, unter anderem ein Antibiotikum. Der Anästhesist fragte immer wieder, ob es mir gut ging, was ich nur einmal negativ beantworten musste, da wurde mir schwummrig. Das hatte er aber geahnt und gab mir sofort was dagegen.

Dann folgte das, was ich persönlich am unangenehmsten empfand. Der Bauch wurde desinfiziert, mit Wattebäuschen an einer Zange. Das war unwahrscheinlich unangenehm, nicht schmerzhaft, aber ich weiß noch, wie ich besorgt dachte, wie soll denn da erst die OP werden, wenn das schon so fies ist.

Das berühmte grüne Tuch wurde gespannt. Mir fiel das Überraschungsei ein und ich meinte zu den Operateuren, wir wüssten nicht, was es für ein Geschlecht ist und ob sie vielleicht versuchen könnten uns das nicht zu verraten, das würden wir gerne selbst feststellen. Sie meinten freundlich, sie würden es versuchen.

Irgendwann meinte jemand: „Kann ich den Mann reinholen? Habt ihr schon getestet?“ und ich lag da und dachte: „Wie, was, getestet? Hilfe!“ und dann „Ach nee, ich hab ja nix gemerkt, alles gut also!“ und dann kam der Mann rein, komplett in OP-KLeidung mit Mundschutz. Natürlich hatte er, typisch Social-Media-Generation, die Kleidung nicht angelegt, ohne noch vorher ein Selfie zu machen. ;)

Er wurde auf einem Hocker an meiner linken Seite platziert und dann ging es auch schon los. Man hatte mich gewarnt, ich würde sicherlich etwas spüren, Geruckele und dass da jemand in meinem Unterleib rumfuhrwerkt. Tatsächlich hab ich davon kaum etwas gespürt, jedenfalls empfand ich es nicht als unangenehm.

Lustig war wieder der Anästhesist, der immer wieder über das grüne Tuch schaute und sagte „Ich weiß schon, was es ist, ich weiß schon, was es ist!“ :D

Die ganze Zeit wartete ich sehnlichst auf diesen einen Moment, den ersten Schrei unseres Kindes. Und da war er endlich und ich brach natürlich in Tränen aus. Die Operateure erzählten was von „wirklich sehr hübsch“ und „kleines Kind, kleine Plazenta“ und “ ja, es ist gut, dass es jetzt geholt wurde, länger wäre das nicht gut gewesen“. Sie haben sich wohl auch beim Geschlecht verplappert, so richtig haben wir das aber beide nicht mitgekriegt.

Die Hebamme eilte mit Kind im Tuch links an uns vorbei in den Nebenraum.
Die Zeit, in der sie weg war, ist für mich so der Moment, in dem ich Mutter wurde. Ich wollte unbedingt mein Kind sehen und hab das glaube auch mal leise gesagt.
Endlich kam sie wieder, rief die Maße des Kindes in den Raum und legte mir das nackige kleine Baby auf die Brust unter das Tuch und darauf noch ein warmes Handtuch. Ich konnte nur einen kurzen Blick zwischen die Beine werfen und fragte nach: „Ist es ein Mädchen?“ Ja, so wurde mir versichert.

Ich strahlte den Mann an, der mir einen Kuss gab. Wir bewunderten unsere Tochter, die auf meiner Brust lag und leise Geräusche von sich gab. Wir waren sehr entzückt, als sie sogar ihre Augen aufmachte, die groß und dunkel waren und uns sehr faszinierten.
Mein Gesicht begann zu jucken und ich vergewisserte mich, ob das normal sei. War es auch. Ich habe die ersten Stunden mit meiner Tochter daher damit verbracht, mich im Gesicht zu kratzen.

Währenddessen wurde die OP beendet. Man ermahnte mich, mein Kind gut festzuhalten, man würde mich jetzt ins Bett umlagern. Ich wurde in den Kreißsaal gefahren, wo wir die nächsten Stunden verbrachten.
Die Hebamme nahm meine Tochter nochmal an sich, nahm ihre Fußabdrücke, machte ein Foto von ihr und zog ihr eine Windel und eine Mütze an. Dann bekam ich sie wieder auf die Brust, wo sie sich sofort meine Brustwarze schnappte, die sie die nächsten Stunden auch nicht mehr losließ.

Wir informierten nähere Familie und Freunde und warteten dann darauf, dass ich auf Station gebracht würde. Das zog sich allerdings hin, daher bekam ich mein Mittagessen im Kreißsaal. Der Mann fütterte mich, ich war nicht in der Lage selbst zu essen.

Allmählich ließ die Betäubung nach und ich begann die Schmerzen zu spüren. Der Katheter war relativ bald nach der OP gezogen worden und ich musste allmählich mal aufs Klo. Fiese Kombination.

Der Mann ging und fragte nach, wie lange es noch dauern würde, bis ich verlegt würde. Eine sehr liebe Hebamme kam und meinte, es würde nicht mehr lange dauern, ob ich denn große Schmerzen hätte. Ich bejahte und meinte, ich müsste auch mal aufs Klo. Da ich es beim besten Willen nicht aufs Klo schaffen würde, half man mir mit einer Bettpfanne aus und hängte mir dann einen Tropf mit einem Zeug, das wohl unter das Betäubungsmittelgesetz fällt, an.

Nun wurde ich verlegt und zwar auf die Privatstation, die normale Wöchnerinnenstation war voll.
Der Schmerztropf machte mich ein bisschen ballaballa, ob er groß geholfen hat, weiß ich nicht mehr.

Ich war die erste Nacht alleine im Zimmer, worüber ich sehr froh war, die Schmerzen waren fies und die Klogänge jedesmal eine Qual.

Das war im Grund genommen auch das Schlimmste an der ganzen Sache. Die OP an sich war wirklich kein Problem, die Leute im OP-Saal waren alle sehr freundlich bis lustig, ich habe nichts unangenehmes gespürt und man ist sehr auf mich eingegangen.
Doch die Schmerzen hinterher, vor allem an der Narbe, möchte ich eigentlich ungern nochmal erleben. Zwar war man im Krankenhaus sehr freigebig mit Schmerzmitteln („Haben Sie noch genug Ibuprofen?“ – „Ja.“ – „Ich lass Ihnen trotzdem mal noch welche da!“), aber so gut helfen diese dann eben auch nicht.

Es wurde aber mit jedem Tag besser und heute, sechs Wochen später, bin ich eigentlich wieder die Alte. Die Narbe ist sehr gut verheilt und macht nur bei viel Anstrengung noch Zicken.

Fazit: Die Geburt war so gut und positiv, wie ein geplanter Kaiserschnitt eben sein kann. Ich habe auf jeden Fall kein Trauma erlitten, auch unsere Tochter hat es gut weggesteckt, zwei Wochen vor Termin ans (OP-Saal-)Licht der Welt geholt worden zu sein.
Trotzdem seufze ich bei jedem Bericht einer Spontangeburt neidisch und hoffe, dies bei einem potenziellen nächsten Kind ebenfalls erleben zu dürfen.

Ende. :D

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Schubidu

Pünktlich mit dem Alter von 5 Wochen begann hier der erste richtige Entwicklungsschub.

Glaube ich jedenfalls. Das Kind ist ein anhängliches Klebebaby und möchte viel trinken, vor allem gegen Abend. Immerhin ist es nicht so viel wie beim Clustern.

Es ist etwas anstrengend, das Kind so gar nicht ablegen zu können, aber man kann ja auch viel einhändig erledigen.
Und wenn man sich klar macht, dass die Maus so gar nichts dafür kann und diese Phase vorbei gehen wird, ist alles halb so schlimm.

Schon jetzt sie sehr viel aufmerksamer und fixiert mich genau. Dafür läufts beim Trinken momentan nicht so gut. Ständig wird abgedockt und gesucht, sie schluckt Luft ohne Ende und leidet entsprechend darunter.

Trotzdem will ich nicht klagen. Es gibt halbwegs genug Schlaf für alle und das ist wirklich viel wert.

Überhaupt hab ich das süßeste Baby der Welt und das macht sowieso alles wett. ;-)

Luft, böse

Hatte ich nicht grad erst geschrieben, das Kind sei leicht an der Brust zu beruhigen?

Natürlich hat Murphy mitgelesen. Seit ein paar Tagen haben wir mit Luft im Bauch zu kämpfen, die da natürlich nicht hingehört.
Dazu spuckt das Kind plötzlich Milch.

Beides kannten wir bisher so gut wie gar nicht, da Madame einen so starken Zug am Leib hatte, da kam nichts durch.

Vor zwei Nächten war die ganze Familie zwei Stunden lang wach und ratlos,zumindest wir Eltern, denn das Kind schrie und trank im fünf bis zehn Sekunden-Takt. Bis sie irgendwann zwei große Rülpser losließ und sich beruhigte.
Ähnliches Spiel gestern Abend. Zum Glück schaffe ich es derzeit ohne größere Probleme ruhig zu bleiben, der Mann ist da deutlich nervöser.

Wir machen also nun immer brav Bäuerchen und geben manchmal L*fax auf einem Löffel. Grundsätzlich hilft das auch, dass das Kind heute nachmittag fast permanent wach war und auch im Tragetuch keine Ruhe geben wollte, liegt vermutlich an dem Sack Reis in China.

Meine Hebamme meinte, mit sechs Wochen würde das alles besser und eingespielter.

Das wäre jetzt noch eine gute Woche, die kriegen wir auch noch rum. ;-)

Alltag?

Wir leben uns ein.

Das Kind ist nach wie vor recht pflegeleicht. Geschrien wird nur bei Hunger und quersitzenden Pupsen. Für gewöhnlich lässt sie sich durch die Brust leicht beruhigen, manchmal auch durch den Schnuller oder Auf-und-Ab-Schuckeln im Arm.
Seit der Geburt hat sie ein ganzes Pfund zugenommen, hat runde Wangen und setzt ganz allmählich ein bisschen Speck an. Die Bodys in Gr. 50 werden wohl bald zu klein sein.
Gebadet wurde sie noch nicht, als meine Hebamme das ausprobieren wollte, war das Kind recht schlecht gelaunt. Auch die Babymassage ein paar Tage später wollte ihr nicht so recht gefallen. Schade, so richtig traue ich mich noch nicht daran.

Das Thema Schlafen ist nach wie vor ausbaufähig. Tagsüber schläft sie recht gut, wenn sie grad nicht trinken will oder mit großen Augen umherschaut.
Nachts ist dann aber meist Party. Oder, alternativ: Clusterfeeding. Zuletzt von Sonntag Abend bis Montag Nacht. Die Nächte waren entsprechend schlaflos.

Nachdem dieses Thema gestern ausgestanden war, bin ich zum ersten Mal alleine mit ihr im Kinderwagen losgezogen. Sie ist erfreulicherweise ein Ausflugsbaby, schlief nach anfänglichem Schreien noch auf dem Weg zur U-Bahn ein und wachte erst wieder auf, als wir schon eine halbe Stunde zu Hause waren. Zwischendurch hat sie einen Einkauf im Drogeriemarkt und einen Besuch bei meinen Kollegen, die sehr angetan von ihr waren, verpennt.

Heute werde ich sie ins Tragetuch packen und mit ihr in die Bücherhalle gehen. Mein Lesestoff ist ausgegangen. Nicht, dass ich viel Zeit zum Lesen hätte, aber ein paar Seiten am Tag schaffe ich doch.
Und morgen früh haben wir tatsächlich eine Kita-Besichtigung. Gleich um acht Uhr, so kann auch der Mann dabei sein.

Besonders freue ich mich auf Samstag. Da werden meine Eltern nach Hamburg kommen, um endlich ihre Enkelin kennenzulernen. Ich kann es kaum erwarten!

WMDUEDGT November 2014

Am 5. eines jeden Monats ist „Was machst du eigentlich den ganzen Tag?“
Ins Leben gerufen hat diese Aktion Frau Brüllen und ich habe eigentlich nur noch nie mitgemacht, weil mein Alltag recht eintönig aussah. Zumindest als ich noch arbeiten ging.

Nun habe ich ja aber eine Tochter und ich glaube, es lohnt sich, jedenfalls für mich persönlich, mal den Alltag ein bisschen aufzuschreiben.

Starten kann ich tatsächlich um 12 Uhr nachts, da werde ich aus irgendeinem Grund wach und ärgere mich, weil ich offenbar erst etwa anderthalb Stunden geschlafen habe. Die dafür aber ziemlich gut.
Das Kind schläft ausnahmsweise mal friedlich im Beistellbett (die Nacht davor nämlich ausschließlich bei mir im Bett), meldet sich aber bald zum Stillen.
Da bin ich froh drüber, irgendwie habe ich es wohl geschafft, in der linken Brust einen Milchstau zu fabrizieren, die tut nämlich weh.
Der Mann schläft tief und fest, ich bringe es nicht übers Herz ihn zu wecken und trage das Kind zum Wickeln nach nebenan.
Dann stille ich sie fertig und kann sie erfreulicherweise wieder ohne Mucken ins Beistellbett legen. Unerfreulich ist dagegen, dass ich jetzt nicht wieder einschlafen kann.

Irgendwann wird der Mann wach und wir lauschen zusammen den sehr eigentümlichen Geräuschen, die aus dem Bett dringen (eine Mischung aus Schwein und Darth Vader). Schließlich nimmt er sie zu sich ins Bett, ich döse solange. Dann ist wieder Wickeln und Stillen angesagt, mittlerweile ist es halb sechs. Das Schlafen für diese Nacht hab ich aufgegeben, ich google beim Stillen zum Thema Milchstau.

Der Mann steht um halb sieben auf und verabschiedet sich um halb acht, ich döse immer wieder ein. Eine Stunde später darf ich wieder stillen, ich versuche, das Kind im 90°-Winkel zu mir anzulegen, es gelingt nur so halb. Um kurz nach neun stehe ich auf und suche einen Waschlappen. Die Wärme an der Brust tut gut.

Unterdessen schläft das Kind in meinem Bett, wird aber wach, bevor ich mit Anziehen fertig bin. Schon wieder Hunger! Ich habe eine kleine Raupe Nimmersatt auf die Welt gebracht. Beim Stillen überlege ich, um welchen Behördenkram ich mich heute kümmern wollte. Ach ja, Krankenkasse.

Endlich darf ich selbst frühstücken, es ist schon 10 Uhr. Eigentlich wollte ich den Tag mal etwas früher beginnen.
Das Kind habe ich übergangsweise im Kinderwagen abgelegt, dort ist es aber nicht glücklich und so nehme ich sie auf den Schoß, von wo aus sie den Wäscheständer bestaunt.

Heute soll zum ersten Mal seit längerem wieder eine Biokiste geliefert werden. Leider weiß ich nicht, wann die immer so kommt, und weil ich noch zur Post muss, bleibt mir nichts anderes übrig als erstmal zu warten.

Das Kind möchte gewickelt werden. Weil der Po etwas wund ist, dehne ich die Aktion aus und lasse sie halbnackt strampeln und auf dem Bauch liegen. Dabei will sie sich ständig vorwärts schieben, ich beobachte sie fasziniert.

Wir setzen uns ins Wohnzimmer und ich beschließe diesen Beitrag zu schreiben. Kaum habe ich angefangen, klingelt es. Der Biokistenmensch steht vor der Tür und gratuliert mir. Wir machen ein paar Witze über schlaflose Nächte, dann verabschiedet er sich.
In der Kiste sind viele kleine Clementinen, es ist eindeutig Herbst.

12 Uhr. Ich beschließe, das Kind ins Tragetuch zu packen und zur Post zu gehen. Die Geburtskarten sollen raus und ich habe gestern festgestellt, dass diese Sonderformat haben. Und ich daher die falschen Briefmarken gekauft habe.

(Der Artikel ist ein Zeitreiseartikel und war zwischenzeitlich schon mal im nächsten Jahr.)

Der Typ im Postshop ist sehr nett und ich beschließe, hier jetzt immer hinzugehen. Die andere fußläufig erreichbare Postfiliale wird nämlich von den unfreundlichsten Leuten, die die Welt je gesehen hat, geführt.
Dann drehen wir noch eine Runde durch den nächsten Discounter, mein Stillhirn hatte Tag zuvor vergessen, Müllbeutel zu kaufen. Die Kassiererin gratuliert mir und bewundert des Kindes viele Haare.

Wieder daheim angekommen ist mir furchtbar warm. Ich ziehe mich bis auf den BH aus und lege das Kind an. Der Milchstau ist immer noch aktuell, leider geht die Mailbox meiner Hebamme mal wieder nicht.

Ich lege das Kind in den Kinderwagen und mache mir Hühnersuppe warm. Die hilft ja bekanntlich gegen alles. Während die Mikrowelle ihre Arbeit tut, spreche ich endlich meiner Hebamme auf die Mailbox.

Da weiterhin friedliche Ruhe herrscht, wage ich es, mich ein wenig aufs Sofa zu legen. Schlafen kann ich nicht, aber Ausruhen ist auch schön. Natürlich klingelt nach einiger Zeit das Telefon. Meine Oma ist dran. Sie will mir zur Geburt ein wenig Geld überweisen bzw. meine Tante das erledigen lassen. Die scheint aber mit den bereits von mir übermittelten Daten nicht zufrieden zu sein, es handelt sich schon um den dritten Anruf zu dem Thema. Diesmal ist der Kontoinhaber gefragt („Alter oder neuer Name?“ Wir haben ja auch erst vor zwei Jahren geheiratet.)

Ich wickele das Kind unter lautem Protest und lege sie an. Meine Hebamme ruft zurück und empfiehlt die Football-Haltung und Quarkwickel. Zum Glück haben wir immer Quark im Haus.

Von halb fünf bis fünf liege ich also mit Quarkwickel auf der Brust auf dem Sofa. Das Kind kotzt. Die Mullwindel liegt am anderen Ende vom Raum.

Kaum habe ich den Wickel entfernt, ruft Oma erneut an. Meine Tante möchte offenbar die IBAN haben. Einer 90-jährigen Dame am Telefon eine ellenlange Buchstaben-Zahlen-Kombination zu übermitteln war schon immer mein Traum.

Dann ruft der Mann an und fragt, ob ich was ausm Laden brauche („Ein Cornetto!“ Kleiner Insiderwitz.) Ich bitte ihn, Quark mitzubringen.

Das Kind schläft auf mir, ich lese mein Buch, bis der Mann heimkommt, Quark und Malzbier im Gepäck. Letzteres wird er wahrscheinlich wieder selbst austrinken.

Als das Kind meines Erachtens genug geschlafen hat, gehe ich sie wickeln. Sie scheint aber Schlafmittel genommen zu haben, beim anschließenden Stillen (Linksaußen!) schläft sie nach ein paar Schlucken wieder ein.
Oma ruft nochmal an und checkt, ob die IBAN wirklich richtig ist. *seufz*

Halb acht. Ich esse erstmal Abendbrot. Der Mann geht wickeln, ich wärme die Brust vor. Jetzt klappt das Stillen problemlos.
Dann schläft das Kind wieder ein. Wir sehen schwarz für unsere Nacht.

Regionalnachrichten, Tagesschau, im Fernsehen läuft wie üblich nichts. Das Kind ist plötzlich wach, der Mann schäkert mit ihr.

Ich habe Kopfschmerzen und bin müde, der Abend wird nicht mehr lang.

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Jetzt hab ich so viel geschrieben, wo so wenig passiert ist.
Nächsten Monat dann wieder. ;-)

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