WMDUEDGT November 2014

Am 5. eines jeden Monats ist „Was machst du eigentlich den ganzen Tag?“
Ins Leben gerufen hat diese Aktion Frau Brüllen und ich habe eigentlich nur noch nie mitgemacht, weil mein Alltag recht eintönig aussah. Zumindest als ich noch arbeiten ging.

Nun habe ich ja aber eine Tochter und ich glaube, es lohnt sich, jedenfalls für mich persönlich, mal den Alltag ein bisschen aufzuschreiben.

Starten kann ich tatsächlich um 12 Uhr nachts, da werde ich aus irgendeinem Grund wach und ärgere mich, weil ich offenbar erst etwa anderthalb Stunden geschlafen habe. Die dafür aber ziemlich gut.
Das Kind schläft ausnahmsweise mal friedlich im Beistellbett (die Nacht davor nämlich ausschließlich bei mir im Bett), meldet sich aber bald zum Stillen.
Da bin ich froh drüber, irgendwie habe ich es wohl geschafft, in der linken Brust einen Milchstau zu fabrizieren, die tut nämlich weh.
Der Mann schläft tief und fest, ich bringe es nicht übers Herz ihn zu wecken und trage das Kind zum Wickeln nach nebenan.
Dann stille ich sie fertig und kann sie erfreulicherweise wieder ohne Mucken ins Beistellbett legen. Unerfreulich ist dagegen, dass ich jetzt nicht wieder einschlafen kann.

Irgendwann wird der Mann wach und wir lauschen zusammen den sehr eigentümlichen Geräuschen, die aus dem Bett dringen (eine Mischung aus Schwein und Darth Vader). Schließlich nimmt er sie zu sich ins Bett, ich döse solange. Dann ist wieder Wickeln und Stillen angesagt, mittlerweile ist es halb sechs. Das Schlafen für diese Nacht hab ich aufgegeben, ich google beim Stillen zum Thema Milchstau.

Der Mann steht um halb sieben auf und verabschiedet sich um halb acht, ich döse immer wieder ein. Eine Stunde später darf ich wieder stillen, ich versuche, das Kind im 90°-Winkel zu mir anzulegen, es gelingt nur so halb. Um kurz nach neun stehe ich auf und suche einen Waschlappen. Die Wärme an der Brust tut gut.

Unterdessen schläft das Kind in meinem Bett, wird aber wach, bevor ich mit Anziehen fertig bin. Schon wieder Hunger! Ich habe eine kleine Raupe Nimmersatt auf die Welt gebracht. Beim Stillen überlege ich, um welchen Behördenkram ich mich heute kümmern wollte. Ach ja, Krankenkasse.

Endlich darf ich selbst frühstücken, es ist schon 10 Uhr. Eigentlich wollte ich den Tag mal etwas früher beginnen.
Das Kind habe ich übergangsweise im Kinderwagen abgelegt, dort ist es aber nicht glücklich und so nehme ich sie auf den Schoß, von wo aus sie den Wäscheständer bestaunt.

Heute soll zum ersten Mal seit längerem wieder eine Biokiste geliefert werden. Leider weiß ich nicht, wann die immer so kommt, und weil ich noch zur Post muss, bleibt mir nichts anderes übrig als erstmal zu warten.

Das Kind möchte gewickelt werden. Weil der Po etwas wund ist, dehne ich die Aktion aus und lasse sie halbnackt strampeln und auf dem Bauch liegen. Dabei will sie sich ständig vorwärts schieben, ich beobachte sie fasziniert.

Wir setzen uns ins Wohnzimmer und ich beschließe diesen Beitrag zu schreiben. Kaum habe ich angefangen, klingelt es. Der Biokistenmensch steht vor der Tür und gratuliert mir. Wir machen ein paar Witze über schlaflose Nächte, dann verabschiedet er sich.
In der Kiste sind viele kleine Clementinen, es ist eindeutig Herbst.

12 Uhr. Ich beschließe, das Kind ins Tragetuch zu packen und zur Post zu gehen. Die Geburtskarten sollen raus und ich habe gestern festgestellt, dass diese Sonderformat haben. Und ich daher die falschen Briefmarken gekauft habe.

(Der Artikel ist ein Zeitreiseartikel und war zwischenzeitlich schon mal im nächsten Jahr.)

Der Typ im Postshop ist sehr nett und ich beschließe, hier jetzt immer hinzugehen. Die andere fußläufig erreichbare Postfiliale wird nämlich von den unfreundlichsten Leuten, die die Welt je gesehen hat, geführt.
Dann drehen wir noch eine Runde durch den nächsten Discounter, mein Stillhirn hatte Tag zuvor vergessen, Müllbeutel zu kaufen. Die Kassiererin gratuliert mir und bewundert des Kindes viele Haare.

Wieder daheim angekommen ist mir furchtbar warm. Ich ziehe mich bis auf den BH aus und lege das Kind an. Der Milchstau ist immer noch aktuell, leider geht die Mailbox meiner Hebamme mal wieder nicht.

Ich lege das Kind in den Kinderwagen und mache mir Hühnersuppe warm. Die hilft ja bekanntlich gegen alles. Während die Mikrowelle ihre Arbeit tut, spreche ich endlich meiner Hebamme auf die Mailbox.

Da weiterhin friedliche Ruhe herrscht, wage ich es, mich ein wenig aufs Sofa zu legen. Schlafen kann ich nicht, aber Ausruhen ist auch schön. Natürlich klingelt nach einiger Zeit das Telefon. Meine Oma ist dran. Sie will mir zur Geburt ein wenig Geld überweisen bzw. meine Tante das erledigen lassen. Die scheint aber mit den bereits von mir übermittelten Daten nicht zufrieden zu sein, es handelt sich schon um den dritten Anruf zu dem Thema. Diesmal ist der Kontoinhaber gefragt („Alter oder neuer Name?“ Wir haben ja auch erst vor zwei Jahren geheiratet.)

Ich wickele das Kind unter lautem Protest und lege sie an. Meine Hebamme ruft zurück und empfiehlt die Football-Haltung und Quarkwickel. Zum Glück haben wir immer Quark im Haus.

Von halb fünf bis fünf liege ich also mit Quarkwickel auf der Brust auf dem Sofa. Das Kind kotzt. Die Mullwindel liegt am anderen Ende vom Raum.

Kaum habe ich den Wickel entfernt, ruft Oma erneut an. Meine Tante möchte offenbar die IBAN haben. Einer 90-jährigen Dame am Telefon eine ellenlange Buchstaben-Zahlen-Kombination zu übermitteln war schon immer mein Traum.

Dann ruft der Mann an und fragt, ob ich was ausm Laden brauche („Ein Cornetto!“ Kleiner Insiderwitz.) Ich bitte ihn, Quark mitzubringen.

Das Kind schläft auf mir, ich lese mein Buch, bis der Mann heimkommt, Quark und Malzbier im Gepäck. Letzteres wird er wahrscheinlich wieder selbst austrinken.

Als das Kind meines Erachtens genug geschlafen hat, gehe ich sie wickeln. Sie scheint aber Schlafmittel genommen zu haben, beim anschließenden Stillen (Linksaußen!) schläft sie nach ein paar Schlucken wieder ein.
Oma ruft nochmal an und checkt, ob die IBAN wirklich richtig ist. *seufz*

Halb acht. Ich esse erstmal Abendbrot. Der Mann geht wickeln, ich wärme die Brust vor. Jetzt klappt das Stillen problemlos.
Dann schläft das Kind wieder ein. Wir sehen schwarz für unsere Nacht.

Regionalnachrichten, Tagesschau, im Fernsehen läuft wie üblich nichts. Das Kind ist plötzlich wach, der Mann schäkert mit ihr.

Ich habe Kopfschmerzen und bin müde, der Abend wird nicht mehr lang.

—-

Jetzt hab ich so viel geschrieben, wo so wenig passiert ist.
Nächsten Monat dann wieder. ;-)

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4 thoughts on “WMDUEDGT November 2014

  1. Blood and Ice Cream trilogy?

    Gegen Milchstau hilft nur Stillen, Stillen, Stillen. Vorwärmen. Ausstreichen. Massieren. Milchpumpe. Ich glaube, Du machst das schon ganz gut.
    Bloß nicht ignorieren (‚Ach, das geht schon wieder weg.‘), dann wirds richtig fies. Mit Grippesymptomen, Fieber, Gliederschmerzen und allem (Ich dachte damals: ‚Toll, erst tut mir die Brust weh und jetzt bekomme ich auch noch eine Grippe.‘ Öhm. Ja.)

    1. Ganz genau, die Filme! ;-)
      Ausstreichen klappt hier irgendwie gar nicht, aber den Rest mache ich und es ist auch schon viel besser, meine Hebamme war sehr zufrieden heute.

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