Schlaf – Ein Drama in vielen Akten

Ich habe vor einiger Zeit mal das schöne Zitat gelesen: Kinder – Entweder sie schlafen nicht, sie essen nicht oder sie gehorchen nicht.

Ich kann das bestätigen. Mein Bruder und ich aßen nicht. Dafür schliefen wir. Von Anfang an, wo und wann uns hinlegte. Auch allein im Zimmer. Ich schlief nach zwei Wochen durch, mein Bruder nach sechs (oder acht, ich weiß es nicht genau). Das erzählt meine Mutter andauernd, aber selbst wenn Verklärung dabei ist, im Großen und Ganzen wird es stimmen.

Ich hatte die Hoffnung, meine Tochter würde nach mir kommen. Die ersten Wochen waren sehr anstrengend, klar, woher soll so ein frisches Baby wissen, dass man nachts schläft. Nachdem ich sie zu mir ins Bett genommen hatte, wurde es besser, es folgten manchmal Schlafphasen von 4-5 Stunden.

Dass man tagsüber auch schlafen kann, war ihr nach einigen Wochen allerdings nicht mehr so klar. Außer im Tragetuch oder im Kinderwagen bei Bewegung ist sie nicht zum Schlafen zu bewegen, nicht einmal auf meinem Arm.

Seit dem Jahreswechsel sind auch die Nächte anstrengender geworden. Sie ist übermüdet und gereizt, findet nicht in den Schlaf, schläft unruhig. Dass unsere nicht vorhandene Routine nicht wirklich ideal ist, war mir schon immer klar, aber nun wird dran gearbeitet.

So war es bisher:
Hin und wieder ein Vormittagsschläfchen, im Kinderwagen, selten auf dem Arm, dann meist abgelegt in der KiWa-Tasche, unser Ersatz fürs Bettchen im Wohnzimmer. Meist jedenfalls zu kurz.
Nachmittags dann ein langer Schlaf im Tragetuch, zweieinhalb bis dreieinhalb Stunden.
Ins Bett mit mir um 22 Uhr, dabei meist Geschrei, Einschlafstillen, bis zum wirklichen Einschlafen dauert es derzeit etwa eine Stunde. In den Nächten ein bis vier Stillstopps, dazu in letzter Zeit viel Gezappele und Geächze.
Schlaf insgesamt: Etwa 10 Stunden. 12 sollten das absolute Minimum sein.

Was wir erreichen wollen:
Einen allgemeinen Tagesrhythmus mit gleicher Aufstehzeit, Essenszeit, Schlafenszeit.
Schlafenszeit zwischen 19 und 20 Uhr. Einführen einer Abendroutine (wickeln, massieren, Schlafanzug anziehen, Schlafsack anziehen, im Schlafzimmer stillen, ein Lied singen, schlafen). Nach einer gewissen Zeit alleine schlafen.
Zwei bis drei kürzere Tagschläfchen. Derzeit noch im Tuch, wenn das mit dem alleine schlafen nachts klappt, auch tagsüber versuchen hinzulegen.

aktuelle Schwierigkeiten:
Sie schläft nicht ohne Körperkontakt ein. Wenn sie im Tiefschlaf ist, kann man sie einige Zeit allein lassen, das dauert aber, bis sie erstmal soweit ist.
Es ist schwierig zu erkennen, wann sie müde ist. Das liegt vermutlich daran, dass sie durch den wenigen Schlaf immer müde ist. Knatschig ist sie oft, gegähnt wird viel.

—-
Das Drama beginnt.

7.1., Tag 1: 18:50 Uhr. Das Kind knatscht auf dem Arm des Mannes. Da sie tagsüber nicht viel geschlafen hat, beschließe ich, dass sie müde ist und gehe mit ihr ins Kinderzimmer. Ich wickle sie, massiere sie mit Lavendelöl, ziehe ihr einen kurzen Body und Schlafanzug an. Sie ist wach, aufmerksam und merkt, dass was anders ist. Als ich mir den Schlafsack schnappe und mit ihr ins Schlafzimmer will, fängt sie an zu schreien und lässt sich erst an der Brust beruhigen. Bei jedem Abdecken schreit sie wieder. Da mein Rücken mich umbringt, lege ich mich mit ihr hin. Nach einigen Versuchen ist sie eingeschlafen und ich kann sie abdocken. Ich überlege, aufzustehen, doch bei dem Versuch wird sie wieder wach.
Erneutes Stillen. Sie schläft wieder ein. Ich docke ab, nach fünf Minuten gehen die Augen auf.
Noch ein Versuch. Diesmal gehen die Augen nach zwei Minuten auf und sie schreit. Der Mann kommt, wir diskutieren Möglichkeiten. Er legt sich zu ihr und ich gehe duschen. Währenddessen schreit sie die meiste Zeit.
Ich betrachte den Versuch als gescheitert und lege mich wie üblich mit ihr hin. Es ist 20:45 Uhr.
Sie schläft um viertel nach neun, eine halbe Stunde später stehe ich kurz auf, unterhalte mich im Wohnzimmer mit dem Mann und bewege mich noch ein wenig. Im Bett herrscht Ruhe.
Da ich sehr müde bin, gehe ich wieder ins Bett. Der Mann folgt eine halbe Stunde später und danach schlafe ich bald ein.

Stillstopps: Um Mitternacht und gegen 3 Uhr. Danach viel Gezappele. Um 7 Uhr schläft sie nochmal ein und wacht erwartungsgemäß anderthalb Stunden später auf.

8.1., Tag 2: Wir stehen um 9 Uhr auf. Um 11 Uhr nehme ich sie ins Tragetuch, wo sie bald einschläft. Nach guten anderthalb Stunden nehme ich sie heraus, sie ist schon fast wach. Nach dem Mittagessen mache ich mich auf zu einer Freundin, das Kind pennt ein wenig im Kinderwagen, bis ein Krankenwagen mit lauter Sirene vorbeifährt. Das wars im Prinzip mit Schlafen für den Tag. Bei meiner Freundin lege ich sie noch ein wenig in die Kinderwagentasche, mit Schnuller und Tuch über den Augen, wobei sie für gute zehn Minuten erstaunlich ruhig bleibt. Sie schläft allerdings nicht ein.
Abends mache ich sie gegen halb acht bettfertig, sie fängt an zu schreien. Als sie sich beruhigt, nimmt der Mann sie ins Tuch, sie schreit weiter. Wir nehmen sie heraus, bis sie sich irgendwann an seiner Schulter beruhigt und fast eingeschlafen ist. Wir packen sie erneut ins Tuch, bis ich ins Bett gehe. Sie wacht kurz auf, stillt, muss dann allerdings gewickelt werden.

Aus einem Impuls heraus habe ich in dem Schlafbuch nochmal das Kapitel über die Schlafbiologie von Babys aufgschlagen. Und siehe da, da ist die Erklärung: “ Ihr Kind mag Ihnen vielleicht nicht übermüdet erscheinen, denn übermüdete Babys und Kinder zeigen nicht unbedingt typische Merkmale von Müdigkeit, so wie wir es erwarten. Stattdessen sind sie sehr anhänglich, hyperaktiv, weinerlich oder empfindlich. Viele wehren sich auch gegen den Schlaf, weil sie nicht wissen, dass es genau jener Schlaf ist, der Ihnen guttäte.“ (Elizabeth Pantley: Schlafen statt Schreien, S.39)

Genau das ist das Problem. Bzw. das wirkliche Problem fällt mir nach gründlichem Überlegen abends im Bett ein. Unsere Tochter ist nicht in der Lage sich Reizen zu entziehen. Wo andere Babys irgendwann zur Seite sehen und einschlafen, ist unser Kind weiter wach und aufmerksam, auch wenn es schon zu viel für sie ist. Und man selbst denkt, hey, alles gut und beschäftigt sich weiter mit ihr.

Versuch zur Problemlösung: Das Kind dreimal am Tag zum Schlafen zwingen, entweder im Tuch oder im Kinderwagen. Dann weitersehen, inwiefern sich etwas ändert.

9.1., Tag 3: Die Nacht ist gewohnt unruhig. Sie zappelt ab 6 Uhr und schläft gegen halb acht ein, um ab halb neun wieder zu zappeln. Eigentlich wollte ich um 9 Uhr mit ihr aufstehen, doch da schläft sie wieder tief und fest.
Wir stehen um viertel vor zehn auf.
Um viertel nach 11 Uhr packe ich sie ins Tuch, gegen halb 12 schläft sie ein. Nur um eine halbe Stunde später wieder aufzuwachen. Erneuter Versuch um halb eins, sie schläft 1:40 h.
Noch ein Schläfchen um 16 Uhr, sie schläft 1:20 h.
Gegen halb acht will ich sie bettfertig machen, doch sie riecht den Braten und fängt schon auf dem Wickeltisch an zu schreien. Ich nehme sie mit ins Bett, wo sich das Geschrei zu hysterischem Gekreisch steigert, sie schreit, als würde man sie verbrennen. Ich weine mit. Irgendwann beruhigt sie sich und schläft allmählich an meiner Brust ein.
Gegen halb zehn stehe ich auf und dusche und setze mich noch etwas ins Wohnzimmer. Als sie sich meldet, gehe ich zu Bett.

10.1., Tag 4: Unruhige Nacht, wie üblich. Gegen halb vier nimmt der Mann das zappelnde Kind zu sich ins Bett, ich kann nochmal zwei Stunden schlafen.
Morgens weine ich vor Erschöpfung. Wir stehen um viertel nach neun auf. Um halb elf wird das Kind knatschig, wird an der Brust schläfrig und ist im Tragetuch sofort weg. Der Schlaf ist aber unruhig. Sie schläft knappe zwei Stunden, nachmittags dann nochmal.
Abends versuche ich sie wieder zur üblichen Zeit bettfertig zu machen und packe sie dann wieder ins Tuch. Sie schläft erst ein, allerdings nur eine halbe Stunde. Danach ist es aus, auch als ich mit ihr ins Bett gehe, ist sie hellwach. Gegen viertel vor 12 fängt sie an zu schreien und schläft um Mitternacht an meiner Brust ein.

11.1., Tag 5: Per Definition hat sie durchgeschlafen. Erst um 20 nach fünf meldet sie sich wieder. Ich war zwischendrin leider mindestens zweimal wach und bin daher nicht besonders erholt. Ich schaffe es bis 9 Uhr noch zweimal sie zum Schlafen zu bewegen, einmal länger, einmal kürzer.
Gegen halb elf wird sie wieder knatschig, ist im Tuch aber hellwach und schreit dann. Erneuter Versuch, sie im Bett neben mir zum Schlafen zu bewegen. Erfolglos. Schließlich schafft es der Mann mit dem Tuch gegen 12 Uhr.

Ich bin etwas resigniert und denke mal wieder über Federwiegen nach. Eigentlich haben wir keinen Platz dafür.
Der Mann meint, man könnte versuchen, sie zum Schlafen auf den Bauch zu legen, das würde wohl gegen diese Zappelei helfen.
Natürlich ist das gegen die Empfehlungen, aber ich war wohl als Baby auch ein Bauchschläfer, einen Versuch ist es wert.

Nachmittags schläft sie nochmal etwas im Kinderwagen und später im Tuch.

Um halb neun Uhr abends mache ich sie bettfertig. Gegen Ende des Rituals fängt sie wie üblich an zu schreien. Um kurz nach zehn schaffe ich es, sie in den Schlaf zu streicheln. Nach 20 Minuten möchte ich mich ebenfalls hinlegen, sie schlägt die Augen auf und ist wach. Ich fühle mich veräppelt.

Um 22 Uhr ist Ruhe.

Über Tag hatte ich einige Diskussionen über Twitter und dabei festgestellt, dass ich mir zuviel Stress mache. Das ist natürlich nicht sehr hilfreich, ich werde ich wieder etwas mehr entspannen müssen.

12.1., Stillen um halb eins. Der Blick auf die Uhr macht kurz Hoffnung, ich denke es sei schon 6 Uhr. Zwischen 2 Uhr und halb sieben kann ich mich an nichts erinnern. Über Tag bin ich wach und ausgeruht.

Sie schläft mittags zwei Stunden im Kinderwagen und nachmittags eine Stunde im Tuch.
Abends um viertel nach sieben schafft der Mann es, sie in den Schlaf zu wiegen. Sie schläft auf seiner Brust.

tbc.

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2 thoughts on “Schlaf – Ein Drama in vielen Akten

  1. Also leg sie doch ruhig auf den Bauch! Der Prinz hat lange Zeit nur so geschlafen. Und auf dem Rücken (so wie er jetzt nachts meistens schläft) nur gepuckt. Hat auch nen starken Moro-Reflex und weckt sich sonst selbst durchs Zucken auf. Kann dir den SwaddleMe empfehlen.
    Und noch ein Tipp: nach dem Abdocken Schnuller direkt Schnuller rein. Viele Babys nuckeln sich in den Schlaf. Der fällt meist raus, wenn sie richtig tief schlafen. Hier ist das Erkennungsmerkmal dass er sich nicht mehr bewegt (der Schnuller). ;-)
    Und habt ihr es mal mit Dunkelheit versucht? Also Schlafzimmer ganz abdunkeln oder Tuch über die Augen. Das ist quasi die radikale Variante um Reize abzuschirmen (hab auch ein sehr neugieriges und sensibles Baby).

    1. Immer wenn man drüber nachdenkt, gehts plötzlich wieder. Morgens stopfe ich sie immer in ihren Schlafsack, das reduziert das Gezappel schon sehr.
      Meistens schläft sie auf der Seite, wie die Bauchlage ankommt hab ich noch nicht probiert.

      Pucken, ich weiß nicht. Ich habe schon oft drüber nachgedacht, aber ich habe den Verdacht, sie mag es nicht gerne eng. Ich hab es aber noch nie richtig ausprobiert, weil ich nichts geeignetes da habe.

      Schnuller nach dem Abdocken wird selten akzeptiert. Klar, Mama liegt ja direkt daneben. Ich probiere es aber weiter.

      Vollständig abdunkeln ist bei uns schwierig, da wir keine Rollläden haben. Außerdem irritiert es mich, wenn ich das Kind nicht sehe nachts. Daher haben wir ein Nachtlicht.
      Tuch über die Augen probiere ich hin und wieder, aber es funktioniert eher selten.

      Das schwierigste ist es, sie überhaupt zum Schlafen zu bringen. Und sie dann am schlafen halten. Beides geht nachts etwas besser. Sie wacht grundsätzlich nach 20 Minuten wieder auf. Nachts lässt sie sich dann wieder einlullen, tagsüber kann man das vergessen. Außer halt im Kinderwagen, im Tragetuch wird es auch schon schwieriger.

      Danke jedoch für deine Tipps! Irgendwas muss ich mal konsequent verfolgen. :)

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