Gedanken

Das Kind  ist sechseinhalb Monate alt. Solange bin ich Mutter. Das, was ich immer (naja, 10 Jahre) sein wollte.

Es ist tatsächlich so schön, wie erwartet. Diesem kleinen Menschen beim Aufwachsen zuzusehen, wie sie jeden Tag etwas neues lernt, etwas neues tut. Und dabei so niedlich ist, dass mir manchmal Tränen in die Augen treten vor Glück.

Bisher, toitoitoi, sind mir auch viele unangenehme Dinge erspart geblieben. Milchstaus, Brustenzündungen, Stillhunger, Libidoverlust, ein Schreibaby oder allzu krasser Schlafmangel. (Diesen Artikel schrieb ich übrigens im Bett, während Mann und Kind neben mir schlafen. Trotz fieser Nächte in letzter Zeit konnte ich nicht einschlafen.)

Meine Stilldemenz hält sich glücklicherweise in Grenzen, ich bin also genauso vergesslich wie vorher, aber das ist schon schlimm genug.

Vieles, worüber ich mir vorher Sorgen gemacht habe, hat sich mit der Zeit von selbst ergeben. Was ziehe ich dem Kind an? Was mache ich, wenn es schreit? Was, wenn es in der Öffentlichkeit schreit? Wann wechsel ich auf die nächste Windelgröße? Lernt das Kind je, mal alleine zu schlafen? Wann fange ich mit Beikost an?

Im Großen und Ganzen bin ich als Mutter genauso entspannt, wie ich es schon als Schwangere war.

Jedoch. Seit sechseinhalb Monaten bin ich Mutter und genauso lange hadere ich auch, nämlich mit dem Kaiserschnitt. Es ist wie eine Wunde, an der man ständig rumprokelt, ein Schorf den man ständig aufkratzt. Völlig sinnlos, denn die Zeit lässt sich nicht zurück drehen.

Trotzdem seufze ich neidisch, wenn wieder ein Kind im Freundeskreis oder auf Twitter ganz normal zur Welt gekommen ist. Ich lese seit langem keine Geburtsberichte mehr, es sei denn von Twitterdamen, denen ich schon lange folge. Beim Bericht von Blumenpost habe ich Rotz und Wasser geheult. Sie bekam ihr Baby keine 24 Stunden nach mir, doch auf völlig andere Art. So, wie ich es mir gewünscht und ersehnt habe, nur halt im Krankenhaus statt daheim.

Es nützt nichts. Ich ärgere mich über mich selbst, aber es sticht, jeden Tag.
Dabei kann ich mich glücklich schätzen. Ich habe ein kerngesundes Kind, das sich prima entwickelt, die Narbe ist fantastisch verheilt und auch in der Rückschau war die OP selbst wirklich nicht schlimm.
Es ist eine Mischung aus Egoismus („Ich will das erleben!“) und („Mein armes Kind, per Kaiserschnitt, das ist einfach nicht ideal und ihren Geburtstag durfte sie auch nicht selbst bestimmen.“)

Symptomatisch übrigens, dass ich die Worte „Ich habe ein Kind auf die Welt gebracht“ nicht mal denken kann. Hab ich nicht. Ich wurde entbunden (da sind wir wieder bei der Schnittentbindung) und habe selbst nichts dazu beigetragen.

Zum Glück sind wir uns einig, dass wir ein zweites Kind wollen. Das wird zwar noch etwas dauern, aber bis dahin besteht wenigstens die Hoffnung, dass ich eine Gelegenheit bekomme, mich mit dieser Geburt zu versöhnen.
Sonst muss ich warten, bis ich aus dem Alter rauskriege, in dem alle um mich rum Kinder kriegen. ;-)

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