Selbstständigkeit?!

In unserer Gesellschaft ist es ja ganz wichtig, dass Kinder „selbstständig“ werden. Egal, wie klein sie noch sind, man soll immer drauf achten, dass sie nicht zu sehr an Mama oder Papa hängen, sondern eben ganz schnell „selbstständig“ sind.

Das Kind bloß nicht bei den Eltern im Bett schlafen lassen. Und nicht so viel rumtragen. Und nicht immer gleich springen, wenns mal schreit. Vom Stillen über 6 Monate hinaus mal ganz abgesehen. Usw.

Meine Mutter ist auch eine ziemliche Verfechterin, was das angeht. Mittlerweile bin ich aber ganz gut darin, Ihre Meinung zum einen Ohr rein und zum anderen wieder rauszulassen.

Wie dem auch sei, eine Sache von den oben genannten ändern wir grade. Das Kind soll nach Möglichkeit nicht mehr in einem Bett schlafen. Aber nicht, damit sie „selbstständig“ wird, sondern weil ich wieder besser schlafen möchte. Und keine Rückenschmerzen haben. Und überhaupt.

Wir haben also letzten Samstag das Kinderbett ins Schlafzimmer geholt. Das Schlafzimmer ist jetzt voll. Aber gut, wer braucht da schon Platz. Und nun lege ich sie konsequent abends da rein. Es ist nicht ganz einfach, da sie nach wie vor zum Einschlafen gestillt wird. So stille ich sie und muss sie dann ins Bett verfrachten. Tagsüber funktioniert es nicht, da schläft sie offenbar nicht so schnell tief genug ein. Das muss ich aber auch bald ändern, sonst fällt sie demnächst vom Bett.

Die ersten beiden Nächte funktionierte es ganz gut, da schlief sie immerhin 5-6 Stunden in ihrem Bett. Seitdem ist es etwas schwieriger, aber das schiebe ich auch darauf, dass die Tage davor immer recht aufregend waren.

Ich werde das jedenfalls weiter verfolgen. Mein Rücken dankt es mir schon mal, wenn ich auch nur die halbe Nacht mein Bett für mich alleine habe.

„Selbstständig“ wird das Kind übrigens so oder so. ;-)

Familie

Familie kann man sich nicht aussuchen, heißt es so schön. Da ist was dran.

Ich unterscheide sowieso zwischen Familie und Verwandtschaft. Ersteres sind meine Eltern, mein Bruder, der Mann, das Kind und ich. Der Rest ist Verwandtschaft. Selbige ist recht  groß, wohnt aber weit weg, 400 km etwa. Dementsprechend hatte ich als Kind von dieser Verwandtschaft nicht viel.

Überhaupt ist das nichts alltägliches. Wie merkwürdig ich es heute noch finde, dass der Cousin meiner ältesten Freundin mit uns auf eine Schule ging. Cousins leben weit weg, Punkt aus. Dass meine Cousins und Onkel und Tanten alle recht nah beieinander wohnen, hat an der Meinung nichts geändert. ;)

Das Kind hat eher wenig nähere Verwandtschaft. Sind mein Bruder und ich noch mit 5 Onkel plus 5 Tanten und zwei bis drei Kindern pro Onkel aufgewachsen, hat mein Kind nur eben meinen Bruder als Onkel.
Der Mann hat noch eine Halbschwester, aber die ist sehr viel älter und lebt im Ausland.
Außerdem sind da noch die Uromas, auf jeder Seite eine, aber auch diese wohnen weit entfernt.

Meine Eltern leben bekanntlich mehrere hundert Kilometer weit weg, sie sehen das Kind zwar bisher immerhin alle ein bis zwei Monate, aber den Rhythmus werden wir wohl nicht beibehalten können. Meine Schwiegermutter ist ebenfalls sehr engagiert und begeistert von ihrem Enkelkind, das freut mich sehr.

Insgesamt ist das ja aber doch recht wenig, zumal mein Bruder wieder in den Süden gezogen ist.
Also haben wir uns Verwandtschaft adoptiert. Ich bin schon seit vielen Jahren in meinem Chor aktiv und stehe vielen Personen dort recht nahe. Man hat sich sehr mit mir über die Schwangerschaft gefreut und auch das Kind ist ja mehr oder weniger regelmäßig bei den Chorproben zu sehen. So hat das Kind nun Ersatzgroßeltern, ein älteres Ehepaar, das bisher keine Enkelkinder hat (trotz zusammen 5 Kindern), eine Ersatztante und einen Ersatzonkel.

Vor allem erstere sind sehr aktiv und engagiert und lieben das Kind tatsächlich fast, als wäre es das eigene Enkelkind. Sie bieten mir alle erdenkliche Hilfe an und ich denke, spätestens wenn ich wieder arbeite, können wir das durchaus gebrauchen.
Heute waren sie mal wieder da, das Kind war begeistert und die Ersatzoma hat sie sogar gewickelt.

Familie kann man sich nicht aussuchen, aber wenn es doch klappt, hat man was tolles geschafft!

WMDEDGT Juni 2015

Der Tag beginnt früh. Um vier werde ich das erste Mal geweckt, jedenfalls kann ich mich nur an diese Uhrzeit erinnern. Ich schaffe es, das Kind wieder in den Schlaf zu stillen. Um fünf Uhr klappt das leider nicht mehr, sie ist wach. Ich gehe aufs Klo. Nichts möchte ich sehnlicher als weiter schlafen, aber keine Chance. Ich schleppe sie also ins Wohnzimmer, der Mann bietet mir an, an meiner Stelle aufzustehen, aber ich hoffe darauf, dass er mich dann später ablöst.

Das Kind liegt friedlich auf ihrer Decke, ich lese mein Buch, das ich noch vor dem Urlaub fertig kriegen will. Der Mann steht ebenfalls auf und schaut Baseball auf dem Tablet. Gegen hat  sieben scheint das Kind müde zu sein, sie schläft aber nicht. Der Mann kümmert sich um sie, ich bin genervt, denn ich möchte gerne noch etwas Schlaf nachholen. So eiern wir bis halb acht rum, dann schläft sie endlich. Ich döse bis viertel nach acht und stehe dann auf.

Frühstück für mich! Ich diskutiere mit dem Mann den Zeitplan, ich will noch Wäsche waschen und es sollte jemand da sein, um sie aufzuhängen. Da ich des Kindes Schlafsack mitwaschen will, muss ich warten, bis sie wach ist. Das ist gegen halb zehn der Fall.

Der Mann gibt ihr Frühstück, ich hole solange schon mal die Koffer vom Dachboden, dann geht er zum Sport.
Das Kind und ich hängen rum (und ich die Wäsche auf), bis es Zeit ist, zur Rückbildung zu gehen. Ich fummle am Kinderwagen rum, der immer noch auf Winter eingestellt ist. Heute ist es aber zum ersten Mal in diesem Jahr warm, später sogar heiß.
Wir sind spät dran, ich mache mir Sorgen. Die sind im Prinzip unbegründet, doch als ich nach der U-Bahnfahrt zum Bus renne, macht der mir die Tür vor der Nase zu und fährt weg. Ich bin sauer!
10 Minuten später kommt der nächste Bus und ich bin doch grade noch pünktlich. Wir sind nur zu dritt und es macht durchaus Spaß, mir leider ist mein Kind ziemlich müde und verlangt immer mehr Aufmerksamkeit.
Nach der Stunde gehen wir zum Bus. Ich überlege mir ein Eis zu kaufen, aber dort stehen die Leute bis auf die Straße Schlange. Da das Eis dort nicht so gut ist, wie man bei dem Preis erwarten könnte, verzichte ich und esse meine Banane.

Der Bus kommt und das Kind schläft ein. An der Endhaltestelle muss ich mich wieder ärgern, da der Fahrer trotz zweier Kinderwagen den Bus nicht absenkt.

Ab nach Hause, dort warten der Mann und das Mittagessen. Er füttert das Kind, sie ist aber schlecht gelaunt und vermutlich noch müde. Nach dem Essen packe Koffer und beziehe gemeinsam mit dem Mann die Betten neu. Wir brauchen im Urlaub auch Bettwäsche!

Um halb fünf gehe ich los zum Friseur. Das ist ohne Kind so wunderbar entspannt. Trotzdem dreht sich das Gespräch mit der Friseurin natürlich nur um das Kind. Und den Urlaub. Nach dem Termin gehe ich zur Post, ich habe einen übergewichtigen Brief zu verschicken. An der Haltestelle kaufe ich mir ein Eis, das ist aber irgendwie gummiartig und ich werfe die Hälfte weg.

Ich gehe noch rasch einkaufen und dann nach Hause. Meine Schwiegermutter ist zu Besuch. Das Kind hat offenbar noch ein bisschen geschlafen, aber leider später als erhofft. Das wird ein längerer Abend.
Der Mann fährt seine Mutter nach Hause, ich drucke Reiseunterlagen aus und bespaße das Kind.

Um viertel nach sieben koche ich dem Kind ihren Abendbrei. Der Mann kommt nach Hause, gemeinsam füttern wir sie. Sie ist schlecht drauf und müde.

Früher als erwartet muss ich sie mitnehmen, waschen und Zähne putzen. Das Einschlafen klappt zuerst nicht, aber um kurz vor acht ist doch Ruhe.

Ich gehe ins Wohnzimmer. Abendessen und das Finale von Let’s Dance warten auf mich. Außerdem plane ich, vor dem Urlaub meine Nägel nochmal zu machen. Lila ist dran! ;)

Daraus wird allerdings nichts, da Kind wird um viertel vor neun das erste Mal wach. Meine Verschnaufpause währt nur kurz, viertel nach neun meldet sie sich wieder. Diesmal nehme ich den Laptop mit ins Bett.

Vorwärts, vorwärts!

Jupp. Endlich hat das Kind genug vom Fliegen üben. Nachdem sie über Monate lediglich auf dem Bauch lag und vergeblich alle Glieder in die Luft reckte, hat sie nun endlich erkannt, dass man sich auch vorwärts bewegen kann. Seit letzten Donnerstag übt sie „Gleiten zwo“. So heißt diese Art der Fortbewegung beim Bund, wurde mir von Mann und Bruder beschieden. Es sieht so aus, dass sie sich auf glattem Boden (wir haben Laminat), mit den Händen vorwärts zieht. Manchmal nimmt sie noch ein Knie dazu. Ist der Boden etwas griffiger, wie bei Teppich oder Matten, geht sie teilweise auch schon mal in den Vierfüßlerstand. Oder zumindest eine Vorstufe davon.

Wir sind also kurz vor der „Nichts ist mehr sicher“-Phase. Ob Pfandflaschen in der Küche oder mein Nagellackkästchen im Bad, alles ist spannend und wird aufgemischt. :D

Nächste Woche sind wir erstmal im Urlaub. Danach hat der Mann zum Glück noch eine Woche frei, und dann wird die Wohnung kindersicher gemacht. Das wird ein Spaß! ;-)

Lieblingstweets im Mai 2015