WMDEDGT April 2017

Der Tag beginnt um zehn vor sechs. Da steht der Mann auf und holt das rufende Kind. Wir hatten sie am Wochenende in ihr eigenes Zimmer ausquartiert und sie hat jetzt die zweite Nacht dort durchgeschlafen. Er hatte sich noch beschwert, dass das so weit weg ist und er sie gar nicht hört. Nun, diesmal hab ich offenbar tiefer geschlafen als er.

Das Kind liegt zwischen uns und plappert vor sich hin. Sie schreit auf einmal „Aua aua!“, wir wissen aber nicht warum. Der Mann gibt ihr einen tröstenden Kuss, woraufhin sie motzt: „Nein, Pusten, nicht Kussi!“ Ok. Ich liege unterdessen da und spüre das Baby gegen meine Hand stupsen. <3

Schließlich steht der Mann auf. Das Kind hinterher, sie besteht aber darauf, dass er sich zuerst anzieht. Dann hängt sie sich an ihr Bett und ist nicht mehr ansprechbar. Der Mann geht also runter, Frühstück vorbereiten. Das Kind hängt weiterhin am Bett.

Um halb sieben geht sie schließlich zur Treppe, ruft nach Papa und lässt sich von ihm fertig machen. Ich stehe kurz danach auf, Klo, waschen, anziehen. Ich höre von unten, dass das Kind erst guten Appetit sagen will, bevor sich etwas isst. Dafür will sie auf mich warten. Nun denn.

Ich gehe runter, und bereite in der Küche schon mal alles vor. Schließlich ist das Kind bereit den Spruch mit den kleinen Fischen aufzusagen und danach die Teller zu verteilen. Also ihren und meinen, der Mann ist schon fertig mit essen. Er geht Zähneputzen, ich bin wieder in der Küche. Er verabschiedet sich, als ich am Tisch sitze und wir kuscheln kurz. Sofort kriegen wir wieder eins drauf: „Nein, nicht kuscheln! Meine Papa!“ Kuscheln will sie aber auch nicht mit ihm. Pff.

Frühstücken, kurz im Handy lesen, ein Buch angucken. Das Kind zieht einen Socken aus und beklagt sich, dass ihr Fuß warm ist. Danach Brote schmieren und Zähneputzen. Letzteres klappt ausnahmsweise mit verhältnismäßig wenig Überredung. Es ist ein täglicher Kampf.

Danach will ich das Kind komplett anziehen, findet aber ihren zweiten Socken nicht, den sie eben noch in der Hand hatte. Wie kann sowas in Sekundenbruchteilen verschwinden? Also andere Socken, dazu ein zweites Oberteil, es ist nicht so warm heute. Außerdem Haare bürsten. Wir waren gestern beim Friseur und nun stellt sich die Frage „Zopf ja oder nein?“ erstmal nicht mehr. Bürsten und Haarspangen müssen trotzdem sein.

Anziehen geht ebenfalls fast problemlos, bis sie austickt, weil ich ihre Jacke während des Anziehens angefasst habe. Manchmal muss man sich schon wundern…
Sie geht heulend raus, erzählt mir was von „Aua Bauch“ und will in den Buggy. Mir soll es recht sein. Wir sind pünktlich in der Kita, wo ich eine Mutter samt Tochter treffe, die ich schon seit einigen Wochen nicht mehr gesehen habe. Offenbar haben wir uns immer verpasst.

Das Kind rennt begeistert zu ihrer Erzieherin. Ich freue mich immer zu sehen, wie wohl sie sich dort fühlt und wie sehr sie ihre Erzieherinnen mag.

Ich unterhalte mich noch kurz mit der anderen Mutter über meine Schwangerschaft, lasse sie das Geschlecht raten (sie liegt richtig, bisher lag jeder richtig) und diskutiere die Möglichkeit eines dritten Kindes (nein!)

Dann auf zur U-Bahn. Ich steige eine Station eher aus und gehe zu Budni. Wir dürfen heute ein noch ziemlich frisches Baby bewundern und ich will sowohl dem Kleinen als auch der Mutter etwas mitbringen. Sie bekommt ein erfrischende Duschgel und einen Nervennahrungsosterhasen. Bei der Handcreme für mich erwische ich versehentlich den Tester. Der war noch komplett zu. Warum stellt man einen verschlossenen und versiegelten Tester ins Regal? Ich darf in trotzdem mitnehmen.

Ich bin etwas zu spät im Büro, aber wie so oft die erste, da merkt das keiner. Dann unterhalte ich mich mit einer Twitterfreundin über Agyrax, THE Zaubermittel bei Hyperemesis. Eine andere Bekannte leidet unter starkem Erbrechen in der Schwangerschaft und macht sich Sorgen, ob das Zeug dem Baby wirklich nicht schadet. Ich kann sie beruhigen und bin wieder einmal froh, dass mir die Kotzerei erspart geblieben ist. Hin und wieder muss ich etwas würgen, aber das ist ja zu vernachlässigen.

Dann beginne ich mit diesem Beitrag und arbeite etwas. Um 10 Uhr will ich zu Karstadt und ein kleines Geschenk für das Baby heute nachmittag besorgen.

Leider muss ich dann feststellen, dass eine Paket für mich nicht abgeliefert werden konnte, weil ich vergessen habe, die Firma anzugeben. Wie dämlich. Jetzt bestelle ich schon seit so vielen Jahren Pakete ins Büro… Mal schauen, wie ich jetzt an das Paket komme.

Nächster Punkt: Zugfahrkarten nach München buchen. Über das Himmelfahrt-Wochenende. Als wir vor anderthalb Monaten erstmalig die Preise gecheckt haben, wären wir drei für 95€ hin und zurück gekommen. Tja. Heute nicht mehr. Heute zahlen wir das dreifache. Ich werde es nie lernen.
Als ich endlich eine passende bezahlbare Verbindung gefunden habe, stellt sich heraus, dass auf der Hinfahrt bereits alle Sitzplätze ausgebucht sind. Ich möchte kotzen.
Vielleicht sollten wir doch fliegen. Das ist noch unbezahlbarer. Insbesondere, wenn man noch Gepäck hat. Vielleicht Hinflug und zurück mit der Bahn. Ich finde ein interessantes Angebot, welches sich aber zerschlägt, weil wir mit einer bestimmten, nicht vorhandenen Kreditkarte hätten buchen müssen.
Die günstigste Verbindung, die ich finde, kostet insgesamt 317€. Ich ärgere mich schwarz, dass ich nicht direkt vor einigen Wochen gebucht habe. Aber wir wollten halt erst die Urlaubstage fix haben. Noch mehr ärgere ich mich, dass ich auf Betreiben des Mannes meine BahnCard gekündigt habe. Weil er immer sparen will. Läuft.

Der Mann ist im Meeting, die Buchung verschiebt sich auf heute Abend.

Danach gehe ich zu Karstadt, ein Kullerbuch für das Baby kaufen. In der Bettenabteilung mache ich kurz halt und lasse mich zu Kissen für Kleinkinder beraten. Dem Kind wird ihr BAbykissen offenbar zu flach, aber das neue, das Schwiegermutter gekauft hat, ist noch viel zu groß und vor allem zu dick. Ich wünschte, sie würde mich in Zukunft vorher fragen. Die Verkäuferin empfielt mir eins, das allerdings relativ teuer ist, außerdem spricht sie immer vom „kleinen Wurm“, weshalb ich mich bedanke und unverrichteter Dinge wieder ins Büro gehe.

Jetzt erstmal wieder arbeiten. Es ist viertel nach elf.

Konzentriertes Arbeiten bis halb zwei. Zwischendurch mal ein Paket annehmen. Nun waren fast alle Paketdienste da, nur mein Paket, das ist jetzt halt irgendwo eingelagert.

Feierabend. Als nächstes: Kuchen kaufen und das Kind abholen.
Um 15 Uhr haben wir unser Babyguck-Date.

Zuhause schaffe ich es grade, das kleine Buch zu verpacken und ein paar Weintrauben zu spachteln. Das Kind ist seeeehr interessiert an dem Schoko-Osterhasen.

Wir sind pünktlich bei meiner Freundin, praktischerweise wohnt sie auf der anderen Seite der Straße. Der kleine Junge schläft, sogar abgelegt im Laufstall. Das bin ich ja gar nicht gewohnt, ich kenne nur Klebebabys. Er ist sehr niedlich und das Kind findet ihn auch ziemlich spannend.

Wir unterhalten uns und essen Kuchen. Meine Freundin erzählt von der Geburt und ich muss ziemlich lachen zwischendurch. Spannend, ob ich wohl auch eine natürliche Geburt erleben darf diesmal?

Das Kind krümelt alles mit Schokomuffin voll (ich vergaß, dass andere Menschen sowas wie Teppich im Wohnzimmer haben (könnten). Dann schleppt sie wieder den Osterhasen an und darf ihn auspacken und ein Stück davon essen.

Der Kleine wird wach, das Kind bringt ihm sofort die Flasche. Sehr niedlich!

Ich darf ihn auch auf den Arm nehmen.  Wie klein und dünn die doch am Anfang sind.

Wickeln darf ich auch noch. Also mein großes Kind.

Nach zwei STunden verabschieden wir uns wieder. Als wir wieder zu Hause sind, fällt mir auf, dass ich eine Idiotin bin. Ich hatte vor zwei Tagen verdunkelnde Plissees für die kleinen Fenster in den Kinderzimmern bestellt. Und nun fällt mir auf, dass wir die gar nicht brauchen. Es gibt nämlich Rolläden. Die werden aber mit einem anderen Schalter bedient, den ich gekonnt übersehen habe. Nun versuche ich die Bestellung zu stornieren.  Bezahlt ist natürlich schon. Ich Trottel.

Um halb sieben kommt der Mann heim. Der Rest des Abends vergeht mit neues Handy einrichten, das Kind ins Bett bringen, essen, noch mehr Handy einrichten, mich ärgern wegen vergessener Passwörter, noch mehr essen, mich ärgern wegen nicht aktivierter SIMcard, duschen, noch ein paar Dinge und. 

Um halb elf mache ich das Licht aus. Gute Nacht!  

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