Junge, Mädchen, Junge, Mädchen…

Eigentlich ist dieser Text mittlerweile überflüssig, aber mich möchte es gerne für mich für später aufschreiben.

Die beliebteste Frage anderer Leute an Schwangere ist ja die Frage nach dem Geschlecht. Ich nehme mich da selbst auch nicht aus, finde es aber auch bei anderen Leuten deutlich spannender als bei mir.
Mir selbst wurde die Frage ab der elften Woche gestellt, als das Baby noch ein Gummibärchen und ganz sicher nichts zu erkennen war. Dieser Freundin teilte ich irgendwann mit, dass ich mir das Geschlecht wahrscheinlich verraten lassen, aber das dann nicht unbedingt weitergeben würde. Da ruderte sie plötzlich zurück, so wichtig sei es ja auch nicht. Ach was. Nachdem sie die Frage jede Woche gestellt hatte. Menschen.

Nun denn. Bekanntlich habe ich mir das Geschlecht diesmal verraten lassen bzw. wollte es nach Möglichkeit wissen (im Gegensatz zum letzten Mal, als ich unbedingt ein Überraschungsei haben wollte) und zwar aus dem einfachen Grund, dass ich mich an ein mögliches zweites Mädchen erstmal gewöhnen müsste.

Denn mein größter Wunsch war immer ein Sohn. Ich weiß gar nicht so recht warum, aber ich wollte immer gerne einen kleinen Jungen. Tatsächlich war ich jetzt beim zweiten Kind auch eine ganz Weile davon überzeugt, dass es ein Junge wird. Es konnte gar nicht anders sein. Weder in meiner Familie noch der des Mannes gibt es viele Mädchen und schon gar keine Schwestern (Ausnahme: meine Schwiegermutter hat eine Schwester).

Auch mit dem Namen hatten wir Probleme. Diesmal stand schon sehr schnell ein Jungenname fest, also konnte es nur ein Junge werden, klar. Am Mädchennamen haben wir ewig rumgemacht und so hundertprozentig bin ich nach wie vor nicht überzeugt. Aber es gibt einfach keine sonst, die mir gefallen.

Nun kam also vor drei Wochen der große Ultraschall und ich fragte irgendwann mal vorsichtig, ob man denn wohl und meine Ärztin, ja, könne man. (Ist wirklich so abgelaufen.)
Und tatsächlich. Für den Bruchteil einer Sekunde dachte ich: Junge! Aber dann bestätigte es mir meinen Ärztin, das sei ganz eindeutig ein Mädchen.

Ja, ich war enttäuscht. Ganz ehrlich. Denn das Thema Kinder ist nach diesem zweiten Kind durch. Natürlich legt mir jetzt jeder nahe, noch ein drittes Kind zu kriegen, aber das ist nahezu ausgeschlossen. Der Wunsch nach einem kleinen Sohn wird also nicht merh erfüllt werden.

Die ersten Tage hat es immer gepiekt, wenn ich irgendwo was von „Sohn, Bruder, Junge“ oder ähnlichem las. Nach einer knappen Woche hatte ich es akzeptiert und ich konnte hin und wieder „sie“ statt „es“ denken. Es wird aber trotzdem wohl bis zur Geburt „das Baby“ bleiben.

Das Kind hat das mit der kleinen Schwester schon ziemlich akzeptiert. Verstehen tut sie es nicht, aber wenn man das Wort Bruder erwähnt, korrigiert sie einen schon.

Ich habe auch lange darüber nachgedacht, warum ich so gerne einen Sohn haben wollte. Letztlich ist das Geschlecht ja ziemlich egal. Jeder Mensch ist anders und wir sind ja nicht mehr im finsteren Mittelalter, wo Frauen quasi nur fürs Heiraten und Kinderkriegen zuständig waren, während die Männer alle Rechte hatten.
Auch wenn der Feminismus und die Emanzipation noch viel zu tun haben, bis Mann und Frau wirklich wirklich gleichgestellt sind. Nun ist es also meine/unsere Aufgabe, unsere Töchter zu selbstbewussten Mädchen bzw. Frauen zu erziehen, die ihren eigenen Weg gehen können.

Von der fehlenden Familiensymmetrie mal abgesehen ist mein Problem tatsächlich: Meine Neugierde wird nicht befriedigt. Ich hätte so gerne gewusst, wie es mit einem Sohn wäre. Wie hätte ich ihn behandelt und erzogen? Wirklich neutral, wie es ja eigentlich mein Ziel ist? Oder wäre ich doch wieder auf das Klischee vom rabaukigen Jungen reingefallen? Letztlich Quatsch, denn unsere große Tochter ist alles andere als eine zarte Prinzessin, die sich nichts zutraut und der auch nichts zugetraut wird.

Vorgestern unterhielt ich mich mit meiner Freundin über dieses Thema, der es ähnlich geht. Sie hat bereits eine Tochter und wünscht sich ebenfalls sehr einen Sohn. Im Gegensatz zu mir würde sie wohl sogar in Richtung drittes Kind gehen, falls das zweite Kind auch ein Mädchen wird.

Schon komisch, das Thema ist so tabu, und es heißt immer nur „Hauptsache gesund“, aber wenn man doch mal nachfragt, stellt sich raus, wieviele Menschen doch ziemlich konkrete Wünsche haben, was das Geschlecht angeht. Und dass auch da Enttäuschung herrscht. Wie es nun mal bei Wünschen passiert, die nicht in Erfüllung gehen.

Zwei Mädchen also. Ganz neue Zeiten.

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