Nerven

Einer meiner häufigsten Gedanken in den letzten Wochen und Monaten war, dass so ein älterwerdendes Kind ja schon echt cool ist. Also Babys sind echt super, aber diese ganzen Features, Laufen, Sprechen, sich ein bisschen selbst beschäftigen, manchmal auch machen, was Mama oder Papa sagen, das hat schon was.

Ok. Diese Phase dauert nur wenige Monate an, dann kommt nämlich die „Ich kann das alles selber“-Phase. Genannt auch Trotz- oder Autonomiephase, und die nimmt grade erst Fahrt auf.

Vor ein paar Tagen las ich auf Twitter folgenden Tweet:

Ich schätze mal, da ist viel wahres dran.

Das Kind möchte also möglichst alles selbst machen und ich bemühe mich, sie gewähren zu lassen. Eben weil, siehe oben und sie ist natürlich viel zufriedener. Ein zu weit aufgemachter Schlafsack (sie öffnet den selbst, der Reißverschluss hatte sich aber letztens verklemmt) kann schon einen ziemlichen Wutanfall auslösen.

Dazu das klassische Kleinkind-Dilemma: etwas selber machen wollen, aber nicht können und WEHE, Mama will helfen! Woah!

Und selbstverständlich möchte sie auch nicht mehr im Buggy fahren. Sie kann ja selbst laufen. Nun kennen alle Eltern kleiner Kinder die Geschwindigkeit eines Spaziergang mit eben diesen kleinen Persönchen. Ich nenne es Spazierenstehen.
Nur leider stehen wir eben für gewöhnlich nicht spazieren, sondern haben ein Ziel, morgens die Kita, nachmittags unser Zuhause.
Der Weg zur U-Bahn dauert in halbwegs flotter Gehgeschwindigkeit etwa 10 Minuten. Mit Kind zu Fuß 20-40 Minuten, je nach Uhrzeit und Wetter. Das kann ich umgehen, indem wir den Bus nehmen, da brauchen wir nur noch etwa 5 Minuten bis zur Bushaltestelle.

Dann fahren wir U-Bahn. Allerwichtigstes Feature der U-Bahn sind die Knöpfe zum Öffnen der Türen. Die MÜSSEN gedrückt werden!!1 Und wenn das grad nicht geht, dann drückt man halt den nächstbesten Knopf, bspw. den Notrufknopf. So geschehen vorgestern, morgens im Berufsverkehr. Große Freude. Zum Glück hatte der Fahrer Verständnis und wir haben die Bahn auch nur etwa zwei Minuten aufgehalten. Zum Glück habe ich die Fähigkeit, andere Leute komplett auszublenden, ich habe also keine Ahnung, wie so um uns reagiert wurde. Auch praktisch bei Brüllanfällen in aller Öffentlichkeit.

Immerhin, grade haben wir so halbwegs den Kompromiss, sie darf möglichst an jeder Haltestelle den Knopf drücken und die Türen öffnen, dafür bleibt sie zwischen den Stationen im Buggy. Sie dauerhaft auf dem Arm halten, geht nicht, da habe ich letzte Woche mit Überlastungsschmerzen im Unterarm bezahlt.

Nach dem Aussteigen aus der Bahn folgt der Fußweg zur Kita. Wiederum knappe zehn Minuten. Das Kind möchte laufen, hat jetzt aber die Angewohnheit gerne mal stehenzubleiben, umzudrehen, zu heulen, wieder stehenzubleiben, doch vorwärts zu gehen und so weiter.
Ganz besonders schön ist dieses Stehenbleiben, wenn wir eine Straße überqueren. Sie muss dann an meine Hand, was sie für gewöhnlich auch bereitwillig tut, nur leider lässt sie des öfteren zwei Meter vorm Gehweg los und will sich hinsetzen. Auf die Straße. Sechsspurig, kurz vor Ende der Grünphase (ja, das weiß sie nicht, ist mir klar).
Das PRoblem ist, dass ich sie dann irgendwie auf den Gehweg bringen muss und da ich immer auch noch den Buggy zu manövrieren habe, läuft es auf zerren am Arm hinaus. Da ist es natürlich vorbei, jede gute Laune und Gutwilligkeit ist verschwunden. Sie will dann auch immer wieder unbedingt zurück auf die Straße, heute war sie so schnell, dass ich es nicht verhindern konnte und sie fast einer Radfahrerin vors Rad lief. Es war zum Glück nicht die sechsspurige Straße.

Laufen ist dann eh vorbei, Buggy auch, ich trage ein sich windendes brüllendes Kind, allerdings nur ein paar Meter weit. Dann läuft sie vielleicht doch, um das Spiel mit dem stehenbleiben, heulen, zurücklaufen und so erneut zu beginnen.

Ich schaffe es zum Glück bisher sehr geduldig und verständnisvoll zu sein, ich habe einen relativ großen Zeitpuffer, bis ich im Büro sein muss und den schöpfen wir auch grade so ziemlich aus.

Trotz allem habe ich heute ein beim Abschied heulendes Kind in der Kita abgeliefert. Das hatten wir seit einem halben Jahr nicht mehr.
Im Moment brauchen wir etwa eine Stunde von Tür zu Tür. Normal wären etwa 35 Minuten. Das ist zu lang, weshalb wir auch die Kita wechseln wollen.

Es gibt eine, die ganz ideal auf dem Weg zur U-Bahn liegt. Die besichtigen wir morgen und ich hoffe sehr, dass sie uns zusagt und außerdem ab Herbst ein Platz frei ist.

Bis dahin kaufe ich mir einen Schoner für meine Nerven. ;)

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Sprich mit mir!

Mit so einem kleinen Kind hat man ja lauter sehnlichst erwartete Meilensteine. Greifen, krabbeln, sitzen, laufen, das erste „Mama“ und dann irgendwann das Gequatsche, bis einem die Ohren abfallen und man staunt, was in so einem kleinen Gehirn alles vor sich geht.
Das Kind war ja bisher doch eher immer von der flotten Truppe, darüber, dass sie mit 12 Monaten laufen konnte, wundere ich mich immer noch.

Nun warten wir also aufs Sprechen lernen. Und ich warte jeden Tag sehnlicher. Zwar kommuniziert sie durchaus, eben mit den üblichen Wörtern „alle“, „Ball“, „bitte“ und „auf“ und ähnliches. Dazu die Tierstimmen. Ich habe letztens in meinem eigenen Tagebuch nachgelesen und festgestellt, dass meine ersten Wörter mit den des Kindes zum größten Teil übereinstimmen. Das sind wohl einfach so die normalen Wörter, zu denen die KInder einen Bezug haben bzw. die wir Erwachsene am häufigsten verwenden.

Gleichzeitig ist es wahnsinnig frustrierend, fürs Kind und für mich. Meistens zeigt sie und macht ein etwas nervötendes „Äh, äh“, um zu bedeuten, dass sie irgendwas haben will. Dann muss man raten. Aber oft genug komme ich einfach nicht drauf, was sie will. Gestern hatte sie mein Handy in der Hand und machte immer auffordernd „Wua, wua, wua!“. Ich weiß bis jetzt nicht, was sie gemeint hat und hätte am liebsten geweint, weil mir das so leid tat. Ich konnte sie ablenken, aber es macht mich schon ein bisschen irre.

Sie hat auch derzeit eine Art Obsession mit Decken, vor allem der Sofadecke. Sie sitzt dann immer da und sagt „Keke? Keke? Keke?“ in immer verzweifelter werdendem Ton. Und ich verstehe einfach nicht, was sie meint. Meistens decke ich sie zu, das scheint dann auch hin und wieder das richtige zu sein, aber eben nicht immer.

Wir schauen momentan sehr viel Bücher an, in denen einfach Objekte zu sehen sind und sie zeigt dann auf das, was sie interessiert und sagt „Wawa?“ und ich bennene das Wort. Wir reden ja auch wirklich viel mit ihr, und so saugt sie jeden Tag ziemlich viele Wörter auf. Nur raus kommen sie bisher nicht.

Sorgen mache ich mir keine. Jedes Kind hat bekanntlich sein eigenes Tempo. Nur, wenn ich dann gleichaltrige Kinder sehe, die schon Drei-Wort-Sätze sagen und den eigenen Namen verwenden (hier bisher gar nicht), dann ist das immer etwas merkwürdig. ;-)

Frust und Freude

Derzeit ist mein Leben eigentlich ziemlich gut. Ich freue mich jeden Tag wieder darüber, dass wir so ein schönes Haus in einer angenehmen Gegend gekauft haben. Der Mann ist weiterhin prima und das Kind sowieso.

Selbiges tritt jetzt allerdings in die Wutzwerg-Phase ein. Vorgestern hat schon Blumenpost darüber gebloggt. Zwar ist es nicht ganz so, aber kleine brüllende Kinder, die sich über scheinbare Nichtigkeiten aufregen, sind ja doch irgendwie alle ähnlich. Am Montag bekam ich shcon einen wunderbaren Vorgeschmack, als wir die Ersatzgroßeltern besuchten und ab Punkt fünf Uhr alles den Bach runter ging. Auslöser war das Windelwechseln. Da sie sich gar nicht beruhigen wollte, sind wir nach Hause gefahren, das bedeutet in diesem Fall einmal quer durch die Stadt. Im Bus ging es, in der U-Bahn hat sie fast die ganze Zeit gebrüllt. Zu Hause ging es grade weiter, ich habe sie in die Badewanne gesteckt, weil das normalerweise immer für gute Laune sorgt, aber über den Punkt waren wir schon hinweg. Auch ihren geliebten Joghurt wollte sie nicht essen, obwohl ich mir sicher war, dass sie Hunger hatte. Insgesamt ging das Spektakel etwa anderhalb Stunden und ich muss gestehen, ich wurde gegen Ende auch mal laut, weil ich es nicht mehr ertragen konnte. Als der Mann nach Hause kam, war dann alles wieder gut.

Heute Morgen dann ähnlich, Zähneputzen ist ja immer ein Drama und dann wollte ich ihr auch noch ein anderes Oberteil anziehen. Ende vom Lied war ein auf dem Boden liegendes brüllendes Kind, das weder im ersten Stock bleiben noch mit runter kommen wollte. Ich hätte sie gerne in Ruhe ausbrüllen lassen, aber leider mussten wir los. Schuhe und Jacke anziehen war natürlich auch nicht gewünscht, zum Glück ist ja aber derzeit nicht so kalt, sie kam also so mit. Auf meinem Arm, anders ging es gar nicht. Da beruhigte sie sich zum Glück auch völlig und war dann in der U-Bahn so gut drauf, dass sie vor dem Aussteigen den Hinweisaufklebern auf der Fensterscheibe (für Kinderwagen und Rollstühle) Küsschen gab. Dieses Kind! <3

Jedenfalls hat das heute Morgen den Ausschlag bei mir gegeben, uns doch mal nach einer anderen Kita umzuschauen. Ich liebe ja unsere Kita und lasse darauf auch nichts kommen, nur leider ist sie eben nicht sehr nahe. An meinem Arbeitsplatz ja, aber nun, wo wir umgezogen sind und dort auch wirklich bleiben werden, wäre eine wohnortnahe Kita doch einfach viel praktischer. Bisher hat mir aber bei dem Gedanken an einen Wechsel das Herz geblutet, weil ich die Erzieherinnen auch so mag. Aber im Herbst würde das Kind eh die Gruppe wechseln und ich denke, das wäre dann, wenn, der beste Zeitpunkt. Zumal sie ja auch später dort in der Gegend in die Schule gehen soll. Und wir würden morgens so viel Zeit sparen.
Auf dem Weg zur U-Bahn liegt eine Kita, die ich heute mal angeschrieben habe. Vielleicht haben wir ja Glück!

(Eigentlich wollte ich noch über zwei andere Dinge schreiben, aber das passt grade gar nicht. Die kriegen eigene Blogeinträge.)

Lieblingstweets im Mai 2016